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Absolventen sind dankbar für Orientierung

Anfang September hat Zeit Campus Online einen neuen Service zur Berufsorientierung gelauncht. Das Angebot richtet sich vor allem an Absolventen und verknüpft einen zehnminütigen Persönlichkeitstest mit dem Zeit Campus Online Stellenmarkt. Wie das funktioniert erzählt uns Ayse Mese aus dem BOA Team Hamburg.

29.09.2017 • Maria Gerono

Was machst du bei BOA?

Ich arbeite beim Zeit Verlag als Media Consultant im Team Employer Branding und Recruiting. Ursprünglich bin ich Industriekauffrau und Diplom-Soziologin. Ich war im Bereich Personalberatung tätig und habe mich dann nach der Elternzeit umorientiert. Seit Januar bin ich im Team BOA und vorletzte Woche ist unser Service online gegangen.

wofür steht BOA und was beinhaltet der service?

BOA steht für Berufsorientierung für Absolventen und ist ein Angebot von Zeit Campus Online. Wir wollen Absolventen nach dem Studium Orientierung bei der Jobwahl geben. Dafür bieten wir einen Berufs-Persönlichkeits-Test an. Die Absolventen beantworten eine Reihe Fragen und bekommen dann entsprechende Berufsprofile und Stellenanzeigen angezeigt, zusammen mit einem entsprechenden Matchingfaktor, wie gut dieser Beruf zu ihrer Persönlichkeit passt. Außerdem bieten wir den Absolventen einen Überblick, was es überhaupt für Berufe gibt. Inzwischen gibt es unheimlich viele unterschiedliche Bezeichnungen, für teilweise ein und dieselben Positionen und so viele unterschiedliche Berufsbilder, dass es für die Berufseinsteiger schwer ist, einen Überblick zu bekommen.

Wenn man den Begriff Berufsorientierung hört, kommen einem sofort Erinnerungen an Klassen-Ausflüge ins Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes. Wo geht ihr über dieses Angebot hinaus?

Die Assoziation ist nicht grundsätzlich verkehrt, es ist allerdings so, dass das BOA Matching technisch weit darüber hinausgeht. Was die Bezeichnung angeht: Es wurde sehr viel Zeit investiert um herauszufinden, welche Begriffe unsere Zielgruppe bei Suchmaschinen wie Google eingibt, wenn es um das Thema Jobwahl geht und die höchste Trefferzahl lag dann tatsächlich bei dem Suchbegriff „Berufsorientierung“.

Ist das Thema denn heute relevanter als früher?

Auf jeden Fall. Heute kann man ja unzählige Studienfächer miteinander kombiniert studieren und daraus ergibt sich am Ende dann nicht unbedingt ein klares Berufsbild. Da ist es umso wichtiger, dass die Berufseinsteiger gut beraten werden. Die Absolventen werden ja immer jünger. Teilweise sind Berufseinsteiger erst Anfang 20, wenn sie das Studium beendet haben. Dann sind sie sehr dankbar fürs so ein Orientierungsangebot.

„Berufe“ werden ja in der Realität oft mit sehr unterschiedlichen Tätigkeiten „befüllt“. Was ist die Grundlage für eure Berufsbilder?

Wir haben in den letzten zwölf Monaten alle Positionen, die an Absolventen gerichtet sind gecrawlt. Sie wurden dann systematisch von unseren Experten, Psychologen, Redakteuren und Recruitern analysiert und zusammengeführt.

Klingt, also ob das Angebot nicht nur für Berufseinsteiger interessant sein könnte.

Auf jeden Fall. Auch in meinem Freundeskreis, in dem alle schon eine Weile im Berufsleben stecken, haben sich das viele Leute interessiert angeschaut. Eine zweite Zielgruppe sind vor allem auch die Young Professionals. Wenn man beispielsweise mit 22 sein Master-Studium abgeschlossen hat und schon zwei Jahre gearbeitet hat, kann man sich anschauen, was es noch so gibt.

Mich hat überrascht, wie umfangreich der Test ist (72 Fragen!). Wie vielen Leuten geht da auf dem Weg die Puste aus?

Unsere Absprungrate ist nicht besonders hoch. Der ursprüngliche Test, den unser Partner Cyquest entwickelt hat, hat sogar über 120 Fragen. Wir haben ihn für unsere Zielgruppe reduziert. Wir haben genau getestet, wie umfangreich der Test sein darf, damit die Absolventen bei der Stange bleiben. Die zehn bis fünfzehn Minuten, die man jetzt einplanen muss, braucht man aber auch um eine verlässliche Aussage machen zu können und nicht zu oberflächlich zu bleiben. Wir machen ja Aussagen zu insgesamt acht Persönlichkeitsdimensionen.

Welche sind das?

Es geht um drei Fragen im Persönlichkeitsbereich: Einmal der Arbeitsstil, also Wie arbeite ich? Dann die soziale Interaktion, Wie gehe ich mit anderen um? Und um die Motivation, Was treibt mich an? Bei der Motivation wird dann beispielsweise die Führungs- und Leistungsmotivation abgefragt. Da wäre dann die Frage: Möchte ich gerne Führungsverantwortung haben? Oder Arbeite ich am liebsten alleine? Bei der sozialen Interaktion geht es dann um die Bereiche Teamfähigkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen. Im Bereich Arbeitsstil werden die Dimensionen Stressbewältigung, Anpassungsfähigkeit, Ideenreichtum, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Organisationsfähigkeit abgefragt.

wie sehr spielt das Thema soziale Erwünschtheit da mit rein? Ihr matcht die Absolventen ja tatsächlich auch mit realen Unternehmen und Jobs. Liegt es da nicht nahe, sich in allen Bereichen „einen Zentimeter größer zu machen“?

Die Fragen, die gestellt werden, haben für sich stehend erstmal keine Wertigkeit. Es ist ja beispielsweise weder gut noch schlecht eine hohe Führungsmotivation zu haben. Dadurch, dass man den Test ganz am Anfang macht, der User noch gar nicht genau weiß, mit welchen Positionen er am Ende gematcht wird und jede Position am Ende ja auch andere Voraussetzungen benötigt, ist das eigentlich kein Problem. Im Vordergrund des Tests steht ganz klar die eigene Orientierung. Dadurch sind die Absolventen auch ehrlicher, weil es eben nicht um eine konkrete Position geht.

Mein erster Treffer war Eventmanager. Da habe ich mich jetzt noch nicht so ganz wiedergefunden. Wie gut ist euer Matching zum jetzigen Zeitpunkt?

Man bekommt ja nicht nur ein Profil angezeigt, sondern eine Auswahl an Jobprofilen, die verschiedene Aspekte der Persönlichkeit abbilden und in der eigenen Wahrnehmung vielleicht unterschiedlich gut zu einem passen. Darüber hinaus arbeiten wir mit einem lernenden Algorithmus. Der wird umso genauer, je mehr Menschen den Test machen.

Wie arbeitet ihr mit den Unternehmen zusammen?

In der Pre-Launch Phase haben wir begonnen mit den ersten 5 Unternehmen zusammenzuarbeiten. Da wollten wir gerne eine gute Mischung aus unterschiedlichen Branchen haben, die auf der Suche nach möglichst verschiedenen Persönlichkeitsprofilen sind. Im Laufe des Oktobers wird sich die Zahl noch mal verdoppeln und danach sukzessive aufgebaut. Die Unternehmen haben einen Active Sourcing Bereich, in dem sie dann, ähnlich wie bei XING oder LinkedIn, Kontakt mit den Absolventen aufnehmen können, wenn diese ihr Einverständnis dazu gegeben haben.

Vielen Dank, Ayse.

 

Mehr Infos zum neue Zeit Campus Online Service gibt es hier: https://boa.zeit.de/recruiting/

 

 

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Mit Perspektive

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