Als Freelancer hängt man auch nicht die ganze Zeit auf Wiesen rum

Bettertalk.to hilft Agenturen und Freelancern bei der schnelleren Vernetzung. Unkompliziert haben die Agenturen die Verfügbarkeit der freien Kreativen im Blick und verlieren keine Zeit mit unnötigen Anfragen. Wir haben mit Mike Kotsch, einem der drei Gründer darüber gesprochen, warum gerade in der Kreativbranche immer mehr Menschen als Freelancer arbeiten.

27.12.2015 • Anja Dehghan & Maria Gerono

Wie läuft denn eure Plattform an?

Super! Ich sage gerne, dass wir eigentlich nur eine Website haben. Denn ich mag es, wenn wir das Ganze immer noch “Projekt” nennen, um uns einem Hype zu entziehen, für den natürlich auch wir empfänglich sind. Seitdem wir die Seite Anfang 2015 für Freunde veröffentlicht haben und auch Freelancer und Agenturen darüber hinaus das cool fanden, war es vorbei mit der “Seite auf der man nur einfach seinen Namen” einträgt. Mittlerweile haben wir fast 700 Freelancer gelistet und entwickeln uns in eine Richtung, wo wir über Finanzierungsmodelle und zusätzliche Mitarbeiter nachdenken. Ich bin immer noch begeistert, wenn Freelancer und Agenturen sich melden, weil sie über Bettertalk.to einen Job gefunden haben. Natürlich ist das der Sinn und Zweck der Website, aber genau das treibt uns an – ein Produkt zu schaffen, das wir selbst nutzen würden und Freunden empfehlen können.

Gibt es eine Zugangsbeschränkung für Leute, die sich bei euch registrieren?

Nein, wir wollen jedem die Möglichkeit geben mitzumachen! Wir stellen unsere Suche jedem zur Verfügung und haben keinerlei Anteil an der Vermittlung.

Bekommt ihr schon Feedback von Unternehmensseite?

Viele Agenturen nutzen unsere Plattform schon um Leute zu suchen – und die sagen, dass es funktioniert. Wir hatten im September zum ersten mal 10.000 Zugriffe. HR Abteilungen, Agenturmitarbeiter, Headhunter, Freelancer – alle suchen und finden Experten aus dem digitalen Bereich. Langfristig wollen wir damit Headhunter ein Stück weit ersetzen, denn wir denken, dass man deren Fleißarbeit durch Software abbilden kann. Der einzige Vorteil ist nämlich gleichzeitig auch das Dilemma: bei der Vermittlung durch Headhunter weiß ja immer der eine nicht so richtig, wer der andere ist. Der Headhunter kann nicht genau sagen, um welchen Kunden es sich handelt, welche Agentur und andersrum auch nicht, wer genau der Freelancer ist. Das ist wie eine Blackbox! Und das wollen wir gern ändern.

Wie wollt ihr das anstellen?

Wir haben es Freelancern im ersten Schritt leicht gemacht, sich anzumelden und ihr Profil anzulegen. So können Agenturen und HR Abteilungen bereits Experten finden, organisieren und buchen. Über eine sich ständig weiterentwickelnde Suchfunktion können wir durch die reine Benutzung immer bessere Ergebnisse liefern. Ein weiteres Feature zum Organisieren von Freelancer Listen fließt neben den Suchanfragen ebenso in die Ergebnisliste der Suche ein. Sollte jemand einmal keinen geeigneten Kandidaten finden, kann das Freelancer Gesuch bei uns eingestellt werden und wir versuchen über unsere Seite und entsprechende Social Media Kanäle, bei Facebook, Twitter, den richtigen Freelancer zu finden. Dabei bereiten wir hier bereits ein entsprechendes Job Matching vor, mit dem wir passenden Kandidaten*innen entsprechende Jobs direkt zukommen lassen.

Glaubst du, dass so eine Plattform, dazu führen kann, dass Gagen gedrückt werden, weil man immer noch jemanden findet, der es für weniger macht?

Ich glaube, gerade die Digital Freelancer oder auch die in der Werbung sind nach wie vor Experten. Natürlich gibt es da ein sehr breites Spektrum an tatsächlichen Fähigkeiten und Entwicklungsstand, aber die meisten Freelancer auf unserer Plattform sind relativ weit oben vom Skill Level. Also ich glaube, da wird so schnell keiner “gedrückt”. Das liegt natürlich auch daran, dass die Agenturen noch sehr viel Geld bekommen, das sie auch für Freelancer ausgeben. Das sind hochspezialisierte Experten, die sie dringend brauchen—und die nach Beendigung des Projektes keine Belastung für die Agentur darstellen. Diese Flexibilität hält meiner Meinung nach die Preise oben.

Warum gibt es immer mehr Freelancer?

Es ist offensichtlich: das Modell der Arbeit hat sich verändert. Gefühlt sinkt die Zahl derer, die heutzutage ernsthaft sagen können, das sie Spaß an einem „nine to five“ Job haben—beschränkt auf die Kreativ- und IT-Wirtschaft. Das ist in der Form nicht mehr zeitgemäß. Da gibt es ja auch immer mehr Alternativen. Remote Work zum Beispiel. Man ist einerseits angestellt und muss andererseits nicht vor Ort sein. Da kann man dann einfach mal bei den Urlaubspiraten nach einem günstigen Flug suchen und dann arbeitet man halt mal eine Woche aus der Türkei—Internet und einen Laptop gibt es auch da.

Wie war der Wechsel von der Festanstellung ins Freelancing für dich?

Meine Eltern sind beide Lehrer und haben sich schon am Anfang gefragt, warum ich meine Festanstellung aufgebe. Da war doch der “gute Job”, und jetzt ist auf einmal alles ganz unsicher. Aber das sehe ich gar nicht so. Wir müssen ja nicht viel investieren, keine großen Maschinen anschaffen. Ich nehme meinen Laptop, setze mich in ein Café und es kann losgehen. Und wenn es nicht mehr funktioniert, dann gehe ich halt wieder in die Festanstellung. Ich glaube, das ist ein Grad an Freiheit, den man über Nacht haben kann. Und davon loszukommen wird sicher nicht leicht.

Gibt es nicht auch in immer mehr Unternehmen die Möglichkeit flexibler zu arbeiten?

Ich glaube auch Firmen versuchen verstärkt, Leute so frei arbeiten zu lassen, aber in großen Organisationsstrukturen funktioniert das einfach nicht. Da ist man einfach drauf angewiesen, dass alles in einem festen Rahmen abläuft. Und egal wie frei und wie funky die Agentur ist, die meisten funktionieren halt trotzdem so: morgens musst du früh zum Meeting da sein, und dann ist um 18 Uhr die letzte Abstimmung. Vielleicht ist es auch nicht anders, wenn du als Freelancer dort bist. Je mehr ich darüber nachdenke - Arbeiten bedeutet ja, dass ich meine Zeit an ein Unternehmen verkaufe, um damit das Geld zu verdienen, um mir meine Zeit zurückzukaufen, um zum Beispiel in den Urlaub zu fahren. Das ist der Deal. Man überlegt, wie viel arbeite ich, damit ich dann wieder Urlaub haben kann, um von der Arbeit runterzukommen. Das ist doch total Banane. Dann lass uns doch lieber sagen, wir arbeiten nur so viel, wie wir brauchen um zu leben. Mit Bettertalk.to erforsche ich eine neue Art der Festanstellung, bei der ich dennoch mein eigener Chef bin. Und ich bin gespannt zu sehen wie das wird …

Vielen Dank Mike!

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Flexibilität