Eine Arbeitskultur geprägt von Worten und Transparenz

Buffer ist eine Plattform, mit der kleine Unternehmen, Marketing und Kundenservice Teams ihre Social Media Kommunikation managen können. Mit ihr lassen sich beispielsweise Social Media Posts organisieren oder deren Performance bewerten.

09.06.2016 •  Anja Dehghan & Maria Gerono

Das Startup pflegt eine ganz besondere Unternehmenskultur. Alle Unternehmensinfos sind für jeden Mitarbeiter transparent. Aber auch alle anderen können Umsatz- und Nutzerzahlen einsehen oder den Entwicklungsstand des Produkts. Aktuell steht zum Beispiel die Verwaltung von Instagram Posts ganz oben auf der Liste der Funktionen, die in Bearbeitung sind. Die Mitarbeiter arbeiten von überall auf der Welt und kennen die Gehälter Ihrer Kollegen. Die Gehaltstabelle von Buffer ist öffentlich einsehbar: Salary Formula. Wir haben mit Brian Peters gesprochen. Er ist Social Media Manager bei Buffer.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Dir aus?

Mein Morgen beginnt damit, dass ich mich erst einmal auf den neuesten Stand bringe. Ich gehe unsere Social Media Accounts durch, schaue mir unsere Interaktionsraten an und antworte auf Anfragen und Kommentare. Ich analysiere, welche Posts funktionieren und welche nicht. Alles, was gut zu funktionieren scheint, aktiviere ich erneut, re-Buffer nennen wir das. Dann gehe ich durch die Social Media und Marketing News, dazu nutze ich den Newsfeed Reader Feedly oder Pocket. Damit verwalte ich alle Inhalte, die für unsere Zielgruppe interessant sein könnten. Nachmittags bin ich vor allem damit beschäftigt mich um unsere Social Media Aktivitäten zu kümmern und Blogbeiträge zu verfassen. Am besten kann ich zwischen 13.00 und 16.00 Uhr schreiben. Abends kontaktiere ich einige Instagram User um zu sehen, ob wir ein paar ihrer Arbeiten präsentieren können. Danach kümmere ich mich um das Timing unserer Social Media Posts. Zwischendurch ein kurzes Workout und Abendessen und dann noch mal alle Kanäle checke.

Was hast du gemacht, bevor du zu Buffer gekommen bist?

 

Ich habe vorher im Bereich Sales und Marketing bei einem großen Versicherungskonzern gearbeitet. Dann hatte ich das Glück, an den Job als Social Media Manager an meiner Uni - der Cal Poly in San Luis Obispo - zu kommen. Das war eine super Erfahrung und ich habe sehr viel über die Höhen und Tiefen von Social Media gelernt, insbesondere wie wichtig es ist, authentisch zu sein und sein Publikum ernst zu nehmen.

Wie bist Du zu Buffer gekommen?

Erstmal war ich total begeistert vom Produkt. Ich habe Buffer bei meinem Job an der Uni genutzt und fand toll, wie einfach man es bedienen konnte. Irgendwann hab ich gesehen, dass sie einen Social Media Manager suchen und dachte, warum nicht? Ich habe dann angefangen Gespräche mit verschiedenen Leuten aus dem Buffer Team zu führen. Alle waren sehr nett und offen, und wussten unheimlich viel über Social Media und Kommunikation im Netz. Was mich wirklich beeindruckt hat, waren nicht zuletzt die Werte, die sie sowohl im Privatleben als auch bei der Arbeit vertreten. Nach diesen Interviews war ich total begeistert und für mich war klar, dass ich hier arbeiten will.

Hast du konkrete Pläne für die Zukunft?

Im Moment hoffe ich, dass ich den für Rest meines Lebens so arbeiten kann, wie ich es gerade tue. Mein Job erlaubt mir, von überall auf der Welt zu arbeiten: Social Media Management und das Schreiben sind beides Jobs, die völlig ortsungebunden sind. Buffer hat mir die tolle Chance gegeben, etwas zu tun, das mir wirklich Spaß macht, während ich um die Welt reise und an verschiedenen Orten lebe, die ich schon immer kennenlernen wollte. Ich bin sehr gespannt wohin die Reise geht. Ich kann mir jedenfalls sehr gut vorstellen, einfach immer bei Buffer zu arbeiten.

Aber was ist es, das Buffer so attraktiv macht? Um die richtigen Kandidaten anzuwerben, betreibt Buffer einen ziemlichen Aufwand. Wichtig ist vor allem der so genannte „cultural fit“, also wie gut jemand in das bestehende Team passt. Das Unternehmen vermittelt schon auf der Unternehmensseite ein klares Bild davon, was menschlich von den Kandidaten erwartet wird. Diese Werte sind nämlich mindestens genauso wichtig, wie das fachliche Know-How. Die Grundprinzipien der Zusammenarbeit haben eine verhältnismäßig lange Tradition in dem jungen Unternehmen. Schon 2013, mit damals sieben Mitarbeitern wurde darüber diskutiert, dass Worte die Arbeitskultur prägen und als Konsequenz wurde ein Paper aufgesetzt, dass die zehn Prinzipien der Buffer-Zusammenarbeit definiert. Und diese haben bis heute Bestand:

1. Choose positivity and happiness

Sparsam mit Kritik an Team-Mitgliedern umgehen. Wenn jemand einen Fehler macht, den anderen sein Gesicht wahren lassen. Sich nicht zu viel beschweren und insgesamt optimistisch und positiv an seine Arbeit herangehen.

2. Default to transparency

Sich viel und detailliert austauschen und ehrlich seine Meinung sagen. Teamplayer sein, also Kollegen mit Wissen unterstützen, wo es geht.

3. Have a focus on self-improvement 

Regelmäßig und freiwillig unangenehme Aufgaben übernehmen und kontinuierlich daran arbeiten seinen Horizont zu erweitern.

4. Be a „no ego“ doer

Lieber heute gut gemacht, als nächste Woche perfekt. Bleibe flexibel und offen und triff gerne Entscheidungen in unklaren Situationen.

5. Listen first, then listen more 

Erstmal richtig hinhören bevor man loslegt. Gehe immer davon aus, dass alles eine Hypothese ist und Du falsch liegen könntest.

6. Have a bias towards clarity

Erkläre etwas ausführlicher, als Du es eigentlich für nötig hältst. Drücke Dich lieber verständlich aus als besonders schlau. Verzichte auf Mutmaßungen.

7. Make time to reflect

Übe Dich in Geduld und nimm Dir immer genügend Zeit, um Deine Entscheidungen und Ideen zu reflektieren.

8. Live smarter not harder

Lieber erholt und ausgeschlafen aufstehen, als eine Stunde überarbeitet weitermachen. Nimm Dir immer die Zeit für andere Aktivitäten und Erholung.

9. Show gratitude

Sei dankbar für die Arbeit Deiner Kollegen, die das Unternehmen voranbringen und tritt auch Deinen Kunden mit Respekt und Dankbarkeit gegenüber.

10. Do the right thing

Korrigiere Deine Fehler, auch wenn sie keiner bemerkt hat. Suche nach der besten Lösung, auch wenn sie weniger Profit verspricht. Denke immer perspektivisch.

Buffer bekommt eine Menge Bewerbungen. Bei der Besetzung des Teams wird Wert auf Diversity und Inklusion gelegt. Es gibt sogar die Position des Inclusivity Catalysts, der dafür sorgt, dass eine gute Mischung innerhalb des Teams entsteht. Im Moment besteht das Buffer Team zu 69% aus Männern, zu 78% aus Weißen und zu 81% aus Menschen zwischen 25 und 34. “Ich denke, hier können wir nachbessern,” sagt Courtney Seiter vom Buffer Team.

Illustration: justcreative.com (Creative Commons)

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Auf Augenhöhe