Ein Einhorn weiß, wie es andere Einhörner ansprechen muss

Waldemar Zeiler ist einer der beiden Gründer von Einhorn Condoms. Wie der Name schon vermuten lässt, produzieren die beiden Bio-Kondome, die auch noch fair gehandelt sind. Aufsehen erregt haben sie aktuell mit einer Social-Media-Kampagne, mit der sie die Suche nach einem Geschäftsführer begleiten. In einer eigenen Fernsehserie geben die beiden Executive Einhörner einen authentischen Einblick in ihren ganz normalen Startup-Wahnsinn – innovativ und absolut gelungen, wie wir finden.

09.10.2015 • Maria Gerono

Waldemar, wie ist die Idee für die Einhörner geboren?

Also, das erzähl ich jetzt zum ersten Mal. Das wurde vorher wirklich noch nie erzählt. Philip, mein Mitgründer war im Supermarkt Kondome kaufen. Er stand vor dem Regal und war schockiert darüber, wo die Kondome platziert waren – irgendwo zwischen Windeln, Hundefutter und Schwangerschaftstests. Und das bei einem Produkt, das eigentlich mit Sex und Leidenschaft zu tun hat. Und davon hat er mit dann ein Bild zugeschickt. Ich war gerade in meinem Sabbatical unterwegs, backpacken in Südamerika. Da hab ich mir zufällig auch die Produktionsbedingungen auf Kaffee- und Bananenplantagen angeschaut und dann hab ich zu Philip gesagt „Können wir nicht die Kondome zusammen besser machen.“ Das hat als Jux-Idee angefangen und dann relativ schnell Click gemacht. Ich war gerade im Sinnkrise-Modus aus meinem vorherigen beruflichen Hintergrund heraus (Anm. d. R.: Waldemar Zeiler hat u.a. für Rocket Internet und Team Europe gearbeitet ) und wollte ein Unternehmen mit Impact starten. Und das hat dann ganz gut zusammen gepasst.

Wir fanden es spannend, heraus zu finden, ob es heutzutage möglich ist, ein Unternehmen aufzubauen, bei dem alle Teilnehmer der Wertschöpfungskette fair behandelt werden und das zusätzlich so hohe Umsätze erzielt, dass man auch in Nachhaltigkeit reinvestieren kann. Wir wollen perspektivisch 50 % unserer Gewinne in die Sexualaufklärung von Jugendlichen investieren. Das war die Geburtsstunde. Ausgehend davon haben wir eine Unternehmerbewegung gestartet. Die heißt Entrepreneurs Pledge. Wir haben ganz vielen jungen Unternehmern und Gründern ein Papier vorgelegt, in dem sie sich verpflichten ein faires und nachhaltiges Unternehmen aufzubauen und 50% ihrer Gewinne in Nachhaltigkeit zu reinvestieren. Inzwischen haben 80 Leute unterschrieben. Angefangen bei den Gründern von trivago, Amorelie über mymüsli und daraus ist eine kleine aber sehr spannende Bewegung geworden.

Euer fairstainable Ansatz propagiert Fairness und Nachhaltigkeit. Wie äußert sich die Fairness gegenüber Euren Mitarbeitern?

Das fängt da an, wo wir Leute so bezahlen, dass sie auch davon leben können. Auch wenn wir als Startup limitierte Ressourcen haben. Zum anderen geht es um Transparenz. Jeder unserer Mitarbeiter kennt unseren Kontostand. Wir sind da ganz offen in der Kommunikation. Was ist drin? Was können wir anbieten? Grundsätzlich wird zusammen besprochen: Was ist notwendig? Wir haben jetzt einen Wasserspender, der Wasser mit Kohlensäure aufbereitet. Wir laden auch gerne mal zum Essen ein oder gehen zusammen aus. Alles, was man sich auch mit einem kleinen Budget leisten kann. Wichtig ist vor allem Kommunikation. Wir sind ein kleines Team aus sieben Leuten, da kann man vieles auch noch über die Tischreihen klären. Die Herausforderungen kommen typischerweise erst, wenn man größer wird als 20 Leute. Da muss man dann gucken, dass genau diese Startup Werte auch übertragen werden.

Wie kam die Idee für Eure Recruiting Kampagne zustande?

Wir haben ein Produkt, das definitiv ein Mainstream-Produkt ist. Jeder kann es selber nutzen oder verschenken. Wir haben ein beschränktes Budget und zusätzlich noch die Hürde, dass so ein fairstainable Ansatz gerade zu Beginn auch etwas teurer ist. Wir haben viel recherchiert und Aufwand betrieben, um auch alles transparent zu machen. Ich war in den letzten zwölf Monaten alleine zwei Monate unten in Malaysia und hab mir die ganze Kette angeschaut und alles gefilmt und dokumentiert. Den Mehraufwand wollen wir darüber kompensieren, dass wir alles, was wir machen zu Marketing machen. Wir haben mit einhorny TV ein eigenes TV-Format entwickelt und machen daraus Unterhaltung. Unser Ziel ist es Sachen nicht doppelt zu machen. Nicht hier ein Stellengesuch und da eine Marketingkampagne, sondern einfach alles kombinieren und parallelisieren. Einhorn zieht als Plattform auch sehr viele Kreative an. Irgendwann kam ein Regisseur auf uns zu, der auch schon diverse Filmpreise gewonnen hat und keine Lust mehr hatte mit langweiligen Kunden zu arbeiten und hat uns gefragt, ob wir mit ihm etwas Verrücktes produzieren wollen. Und dann haben wir gebrainstormt und sind irgendwann drauf gekommen, die CEO Suche mit dem Dreh zu kombinieren. Ziel war eine Mockumentary , bei der am Ende keiner mehr weiß, was ist real und was ist gespielt.

Aber ihr wollt ja reale Kandidaten ansprechen. Wie viel von Euch steckt da am Ende drin?

Jede einzelne Szene, die man da sieht könnte auch tatsächlich passiert sein oder ist auch so passiert. Wir spielen ja uns selbst.

Wie ernst gemeint ist Euer Psychotest? (z.B. "Du befindest Dich in der Mitte einer Insel und siehst zu deiner Rechten einen Welpen im Wasser um Hilfe schreien und zu Deiner Linken ein Katzenbaby. Was machst Du?"...)

Du willst ja einfach nicht einen Haufen Bewerbungen haben, die gar nicht passen. Dieser Psychotest ist erst mal ein Schocker. Er soll klar machen, worum es hier geht und deswegen hast Du zu allererst mal Penisse und Vaginas vor Dir. Ohne den Test kann man sich gar nicht bewerben. Man muss das Spiel auch mehrmals machen und wem das zu blöd ist oder wer den Humor nicht versteht, ist halt raus. Obwohl es eine der am häufigsten geklickten Anzeigen ist, die stepstone je hatte, haben wir insgesamt nur 50 Bewerbungen bekommen – wegen diesem Filter. Und das ist auch gut so.

Ihr habt schon ein paar Bewerber getroffen. Funktioniert das Prinzip Eurer Vorauswahl?

Die Auswahl ist super. Der „Ausschuss“ ist minimal und das erkennt man dann meistens auch schon an der Bewerbung. Wenn einer unseren Psychotest gemacht hat und dann trotzdem noch schreibt „Sehr geehrte Damen und Herren“, dann wissen wir, der hat uns nicht verstanden oder muss fürs Arbeitsamt Bewerbungen nachweisen. Aber das sieht man relativ schnell. Und wer ein Einhorn ist, der weiß schon, wie man andere Einhörner ansprechen muss.

Vielen Dank, Waldemar.

 

... die Suche nach dem Condom CEO ist noch nicht vorbei. Wer heraus finden möchte, ob er das Zeug zum Einhorn hat, HIER geht's lang zum Psychotest. Die original stepstone-Anzeige in voller Schönheit gibt's HIER. Viel Glück.

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Perspektive