Wir wollen uns doch nicht nur auf den Feierabend freuen ...

Anna Süster ist die Frau hinter dem digitalen New Work Magazin Dear Work. Auf Ihrer Seite findet man Porträts und Geschichten rund um das Thema Arbeit und jede Menge Inspiration, wie man sein Arbeitsleben aktiv mitgestalten kann.

Maria Gerono • 26.02.2016

Wann ist Dein Magazin zum Leben erwacht?

Die Idee ist entstanden, nachdem ich aus meinem letzten Job rausgegangen bin. Ich wollte gerne ein Magazin aufbauen, das sich mit dem Thema Neue Arbeit beschäftigt, indem es die unterschiedlichen Arbeitswirklichkeiten zeigt, in denen sich unsere Genration befindet. Das war vor zwei, drei Jahren. Die Idee ist dann über die verschiedenen Projekte, die ich in der Zeit gemacht habe, gereift. Tatsächlich angefangen habe ich vor ungefähr einem Jahr und vor vier Monaten bin ich online gegangen.

Aus welcher Arbeitswirklichkeit kamst Du, als die Idee gereift ist?

Ich habe die HR Abteilung einer Hamburger IT Firma aufgebaut und geführt. Dort durfte ich sehr selbständig arbeiten und mich relativ frei strukturieren. Die Aufgaben haben mir super viel Spaß gemacht. Meine Freiheiten waren jedoch vor allem inhaltlicher Natur. Ich habe mich über die Jahre zunehmend auch nach einem freieren Arbeitsumfeld bzw. selbstbestimmten Arbeitszeiten gesehnt. Ich denke aber, dass es generell sehr unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf die eigenen Freiheitsgrade gibt. Viele der damaligen Kollegen haben beispielsweise sehr klare Strukturen, Vorgaben und Arbeitszeiten gewollt. Und genau diese Vielfalt an Bedürfnissen ist ja das Spannende.

Du machst aber nicht ausschließlich das Magazin, sondern immer auch Freelance Jobs nebenbei, oder?

Ja, genau. Neue Arbeit ist allerdings mein Herzensthema. Ich bin sehr froh, dass ich DEAR WORK erst einmal ohne finanziellen Druck und Abhängigkeiten aufbauen kann.

Ist Dein Blog Selbstzweck oder möchtest Du davon ausgehend auch Beratungen, Speaker-Geschichten oder Seminare anbieten?

Das kann ich mir gut vorstellen. Zwei, drei Sachen entwickeln sich auch gerade. Momentan macht es aber einfach total viel Spaß in die unterschiedlichen Arbeitswirklichkeiten unserer Generation hineinblicken zu dürfen und diese zu zeigen. Es gibt ja nicht DIE Generation Y. Es gibt kein generelles „so arbeiten wir alle.“ Statussymbole haben sich verändert und sind vielfältiger geworden. Es zählt nicht mehr nur „was wir arbeiten“, sondern ebenso „wie wir arbeiten“. Das möchte ich – auch älteren Generationen – verständlich machen. Wir werden ja auch schnell abgestempelt, so nach dem Motto: Wir wollen uns alle nur selbst verwirklichen und suchen nur Spaß. Das sehe ich anders. Das, was uns ausmacht ist doch, dass wir uns darum bemühen, dass Arbeit etwas Gutes ist. Arbeit soll positiv besetzt sein, ein Ort sein, an den wir gerne gehen, egal ob in einem festen Job oder als Freelancer.

An wen richtest Du Dich?

Die Leser sind ungefähr von Anfang 20 bis Ende 30. Ich richte mich gleichermaßen an Individuen und Unternehmen. Für den Einzelnen geben die Geschichten im besten Fall Anregung für die Gestaltung des eigenen Arbeitslebens. Und die Unternehmen haben ja – im besten Fall – auch ein Interesse daran zu wissen wie ihre Zielgruppe arbeiten möchte.

Welche Reaktionen bekommst Du?

Sehr positive, worüber ich mich total freue. Die meisten finden es gut, dass Arbeit in einem anderen Kontext dargestellt wird. Weniger business-lastig oder karriereorientiert im alten Sinne.

Natürlich höre ich auch, dass ich vor allem Mitarbeiter zeige, die „total selbstbestimmt und frei arbeiten“. Dann muss ich antworten, dass ich mit dem Magazin noch am Anfang stehe. Zuerst gab es vor allem Geschichten von Freelancern, inzwischen gibt es aber auch welche von Leuten, die für ein Unternehmen arbeiten. Gerade habe ich eine Geschichte über eine Mitarbeiterin von Facebook gemacht, jetzt interessieren sich verstärkt auch andere Unternehmen dafür, ihr Arbeitsumfeld darzustellen. Das ist die ganze Zeit in Bewegung. Zum anderen antworte ich natürlich, dass ich ganz bewusst Leute auswähle, die etwas für ihren Job tun. Ob das nun jemand ist, der bewusst in Kauf nimmt zu pendeln oder jemand der seine festen Strukturen und sein sicheres Einkommen verlassen hat, um etwas Anderes zu probieren. Ich möchte auf gar keinen Fall konkrete Schritte abbilden, wie man etwas machen sollte. Dieses die 10 besten Tipps um erfolgreich .... Das ist einfach für jeden anders und kann gar nicht für alle gelten.

Gibt es bei all der Individualität etwas Verbindendes?

Auf jeden Fall der Wille dazu, dass das etwas Gutes ist, was wir da viele Stunden am Tag tun. Das gemeinsame Gefühl, dass wir uns nicht nur auf den Feierabend freuen wollen, sondern, dass auch die Zeit davor eine kostbare ist.

Wie würdest Du Arbeit für Dich definieren?

Als lebenswichtig.

Ist es für Dich problematisch, dass die Grenze zwischen Job und Privatem immer unklarer wird?

Überhaupt nicht. Ich mag das gerne. Das kommt wahrscheinlich immer darauf an, wo man herkommt. Ich war ja vier Jahre lang in einem festen Job und da habe ich mich danach gesehnt, diese Grenzen nicht mehr zu haben. Jetzt kann ich selber entscheiden, wo die Grenze verläuft und darüber bin ich immer noch total froh. Natürlich gibt es auch mal einen Freitag Abend, an dem ich denke, jetzt wäre es auch schön einfach nur Feierabend zu haben und zu wissen, dass es erst Montag wieder weitergeht.

Führst Du Deine Interviews im Kopf noch als Personaler?

Gute Frage ... ich glaube nicht. Ich führe sie glaube ich in erster Linie als interessierte Person. Aber dass ich mich für das Thema interessiere, liegt bestimmt auch daran, dass ich in dem Bereich gearbeitet habe. Ich habe mich aber schon immer für Kultur und Verhaltensweisen interessiert und das ist am Ende in Unternehmen das Gleiche wie in jedem anderen Zusammenhang. Mich interessiert generell, wie Menschen sich miteinander verhalten und nach welchen Normen und Werten sie das tun.

Vielen Dank Anna.

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Auf Augenhöhe , In Teilzeit , Mit Flexibilität