Descape ermöglicht die Flucht in den Traumberuf

Einfach mal was anderes machen. Weg vom Schreibtisch, raus aus dem Büro. Am liebsten mit den Händen arbeiten und etwas Richtiges schaffen. Aber dafür gleich den Job hinschmeißen, ist in den meisten Fällen keine Option. Mit Descape gelingt die Schreibtischflucht ganz unkompliziert. Wir haben Mitgründer und COO Jens Ehne getroffen.

Anja Dehghan • 19.09.2015

Dieses Gefühl kennt wahrscheinlich jeder, der seine Zeit in erster Linie vor dem Bildschirm verbringt: Man ist den ganzen Tag irgendwie produktiv, aber am Ende ist das Resultat nicht so richtig greifbar. Anfassen kann man es schon gleich gar nicht. Descape will Abhilfe schaffen und vermittelt Schreibtischtäter in handwerkliche Berufe. „Wir sind ein Marktplatz für Kurztrips in Traumberufe“, beschreibt es Jens, „Mit uns kann man mal einen Tag Tischler sein, oder zwei Tage Olivenbauer oder zum Beispiel einen Monat Förster im Regenwald. Die Idee ist, dass man innerhalb kurzer Zeit in ganz unterschiedliche Berufe schauen kann, ohne dabei den eigenen Job zu kündigen.“ Ein Job ist nicht mehr nur ein Job. Der Anspruch etwas Sinnvolles zu tun, Spaß zu haben und Verantwortung zu übernehmen, ist deutlich größer, als der, einfach nur Geld zu verdienen. Und so suchen immer mehr Berufstätige ihr ganz persönliches Descape.

Descape statt Sabbatical

Das Startup wurde im vergangenen Jahr gegründet und vermittelt seitdem unterschiedlichste Kurzfluchten aus dem Büroalltag. Im Unterschied zu einem Praktikum, muss man deutlich weniger Zeit investieren, und kann anschließend ganz unkompliziert in den eigenen Job zurück. Wenn man das denn noch möchte. Ein Descape ähnelt also einem kleinen Sabbatical. „Descape bietet die Möglichkeit ganz unkompliziert unterschiedliche Sachen auszuprobieren, frei nach dem Motto: Probieren geht über studieren“, beschreibt es Jens. Aber auch gerade dann, wenn man eigentlich schon weiß, dass man sich beruflich verändern möchte, ist es sinnvoll vorher mal ein Gefühl für den vermeintlichen Traumberuf zu bekommen. Ob Auszeit oder berufliche Neuorientierung, die Motive für ein Descape können ganz unterschiedlich sein.

Auch die Gründer haben sich immer wieder neu orientiert. Lena Felixberger war schon Friseurin und Werbetexterin, Jens hat als Flugbegleiter gearbeitet, in der Logistikbranche und zuletzt bei einem Online Marktplatz für Vintage und Designobjekte. „Ich habe schon recht viele unterschiedliche Sachen ausprobiert und in jeder Etappe gab es auch den Moment, in dem es sich nicht mehr so ganz richtig angefühlt hat“, beschreibt er seine Erfahrungen. „Zum Beispiel wenn ich gemerkt habe, dass ich nicht die Verantwortung übernehmen kann, die ich mir wünsche, nicht positiv Einfluss nehme, nicht wirklich mitgestalten.“ Für das eigene Unternehmen haben sie sich vorgenommen, größtmögliche Zufriedenheit innerhalb des Teams zu schaffen. Jens erklärt: „Wir möchten, dass das Team gefördert und gefordert wird und sich auch wirklich alle wohlfühlen. Das heißt, es ist bei uns auch mal möglich im Home Office zu arbeiten. Dazu gehört, dass man einfach auch gewisse Freiheiten hat. Am Ende zählt, dass Descape erfolgreich wird und dass jeder weiß, dass er dazu auch einen Beitrag geleistet hat.“ Dass das junge Unternehmen flexibel auf Veränderungen regieren kann, zeigt sich gerade jetzt. Gründerin Lena erwartet in den nächsten Tagen ihr erstes Baby. Für das Team von Descape war es eine kleine Herausforderung ihre Auszeit zu planen, aber am Ende hat alles geklappt. „Für viele wirkt das Startup Leben total inkompatibel mit der Gründung einer Familie. Wenn man allerdings ein gutes Team findet, dann funktioniert das super. Und vor allen Dingen, wenn alle die gleiche Idee von etwas haben.“

 

Das Team zählt

Grundlegend für ein harmonisches Team ist für Jens die Personalauswahl. Und die richtet sich bei Descape weniger nach den zu besetzenden Stellen, als vielmehr nach den Kandidaten. „Wir haben hier eigentlich laufend Bewerbungsgespräche. Wenn uns Kandidaten initiativ anschreiben, dann sprechen wir auch mit ihnen. Dafür nehmen wir uns gern die Zeit, auch wenn es gerade konkret keine Ausschreibung gibt“, erklärt Jens. „Wenn da jemand dabei ist, von dem wir denken, der passt super ins Team, dann würden wir uns auch bemühen, das wir das schaffen und ein Budget ermöglichen."

 

 

"Ein großes Problem von Startups ist das Recruitment, wenn plötzlich sehr schnell sehr viele Leute einfach zusammengewürfelt werden und dann als Team nicht zusammenpassen.“Für Jens Ehne ist klar, dass er sich mit Descape für weniger Privatleben in den kommenden Jahren entschieden hat. Aber das ist für ihn in Ordnung. „Ich hab zwar die nächsten Jahre weniger Urlaub. Aber dafür weiß ich, ich komme hier jeden Tag her und mir geht’s gut. Das macht mir wirklich Spaß. Ich weiß, dass ich mein Descape gefunden habe und hier wirklich zufrieden bin.“

Vielen Dank, Jens!

 

Im Moment arbeitet das Team von Descape am Relaunch der Webseite, der für Oktober geplant ist. Aber auch die jetzige Seite macht definitiv Lust auf den ersten eigenen Descape: www.descape.de   Bildnachweise: Descape und Gratisography (Ryan McGuire)

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Mit Perspektive