„Falls wir Ihr Interesse geweckt haben sollten ...“

Mit einer guten Stellenanzeige gelingen idealerweise zwei Dinge: zum einen bringt sie passende Kandidaten dazu sich zu bewerben, und zum anderen gelangt der potentielle Bewerber ganz einfach an zusätzliche Informationen zur Stelle oder zum Unternehmen.

11.01.2017 • Anja Dehghan 

Schaut man sich einmal das Gros der Stellenanzeigen an, beginnen viele von ihnen mit umfangreichen Ausführungen über Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens. Sie taugen als kurze Einleitung, erinnern allerdings eher an eine Unternehmensbroschüre aus der Kommunikationsabteilung.

Viel zu oft gibt es direkt im Anschluss eine Liste von Anforderungen an den Bewerber und dann ein ausführliches – völlig realitätsfernes – Tätigkeitsprofil, das kaum jemand erfüllen kann. Am Schluss dann die Frage: „Konnten wir Ihr Interesse wecken?“ gefolgt von der Aufforderung sich gerne zu bewerben. Es bleibt offen, womit denn nun genau das Interesse des Bewerbers geweckt werden sollte. Was macht das Unternehmen zu einem tollen Arbeitsplatz? Wer sind die Kollegen? Warum sollte man unbedingt hier arbeiten wollen.!

Es wird immer noch davon ausgegangen, dass sich auf dem Bewerbermarkt hunderte von Fachkräften tummeln, aus denen man die freie Auswahl hat und die es gilt, möglichst effizient auszusieben. Eine solche Bewerberflut mag Unternehmen wie Google oder Facebook erreichen, ist allerdings für die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen eher ungewöhnlich. Ihr Fokus sollte verstärkt darauf liegen, einen möglichst authentischen sympathischen Eindruck zu vermitteln und potentielle Kandidaten dazu zu ermutigen, sich zu bewerben. 

einen Einblick in den Joballtag ermöglichen

Primäres Ziel kann es daher nicht sein, möglichst viele Interessenten abzuschrecken, indem man die Inserate mit Anforderungen überfrachtet. Eine treffsichere Beschreibung der Tätigkeiten, sozusagen der Einblick in den Arbeitsalltag, erhöht die Chancen, dass sich tatsächlich auch die Menschen bewerben, die dem Jobprofil entsprechen.

Dabei sollten die nötigen Informationen so benutzerfreundlich wie möglich präsentiert werden. Beim Formulieren der Anzeige verwendet man besser nicht beliebige Textbausteine, sondern wählt eine Tonalität, die der des Unternehmens entspricht.

„Wir bieten Ihnen einen abwechslungsreichen Arbeitsplatz in einem modernen Unternehmen, ein leistungsgerechtes Gehalt.“

Das ist so eine Formulierung, auf die getrost verzichtet werden kann. Besser so:

„Wir arbeiten intensiv, leidenschaftlich und haben eine enorme Motivation, gemeinsam etwas Großes zu erreichen. Gleichzeitig achten wir darauf, dass sich jeder bei uns wohlfühlt und Spaß an seiner Arbeit hat. Wir sind im positiven Maße ehrgeizig und lieben die Herausforderung, achten dabei aber auch auf unsere Freizeit. Wir wachsen stetig und entwickeln uns weiter, lieben trotzdem kurze Wege, flache Hierarchien und offenes Feedback. Ein gesundes Gleichgewicht, bei dem was wir tun, ist uns wichtig.“

Die Karriereseite ist nicht unbedingt erste Anlaufstelle für Bewerber

Eine überzeugende Stellenanzeige gewährt einen Einblick in die Unternehmenskultur. Die meisten Bewerber suchen eine neue Stelle über Google oder Jobsuchmaschine und  -börsen. Der erste Kontakt mit dem Unternehmen als Arbeitgeber ist also nicht die vorbildlich gepflegte Karriereseite, die über alle Mitarbeitervorzüge informiert, sondern die Stellenanzeige. Erst wenn das Unternehmen hier überzeugt, ist der Bewerber bereit sich weiter durchzuklicken und gegebenenfalls auf der Karriereseite zu landen.

Grundsätzlich macht es Sinn, einmal die Unterscheidung zwischen „Gesuch“ und „Angebot“ zu machen. Die Zeiten der Gesuche, in der Stellenanzeigen lediglich, die Anforderungen an den Bewerber auflisten, gehören der Vergangenheit an. Mittlerweile sollten sie eher als Angebote verstanden werden, die Bewerber davon überzeugen, dass dieser Job der richtige für sie ist. Denn häufig haben sie die Wahl.

Und zu guter Letzt: ein Ansprechpartner mit Namen und im besten Falle auch ein Gesicht sollten in keiner Stellenanzeige fehlen. Denn, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat, fällt es leichter, dem zu vertrauen, was man liest.

 

 

Kategorie: Allgemein

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Perspektive

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