Mehr Freude bei der Arbeit: Wie der Job wieder Spaß macht

Was brauchen die Menschen in Unternehmen wirklich, um sich gut zu fühlen? Diese Frage habe ich mir schon häufig gestellt. Und ich bin überzeugt: Ganz oben auf der Liste steht ›echte Arbeit‹.

20.06.2016 • Lars Vollmer

Wenn ich hier von Wohlfühlen oder Feelgoodmanagement schreibe, meine ich damit also keine Kulturentwicklung im Sinne von »wie sollen sich die Mitarbeiter verhalten und was können wir den Mitarbeitern bieten?«, sondern ich verstehe es als eine Organisationsentwicklung – eine Entwicklung von Unternehmen, damit wieder mehr echte Arbeit möglich wird. Denn wenn der Ansatz der Wohlfühlkonzepte ist, dass die Arbeit wieder Spaß machen soll, dann muss er sich zuallererst darum kümmern, dass die Leute überhaupt wieder arbeiten können.

Freude an der Arbeit

In den meisten Unternehmen werden die Menschen nämlich durch allerlei Management-Praktiken von echter Arbeit abgehalten. Meetings, Budgetverhandlungen, Mitarbeitergespräche, PowerPoint-Basteleien, Berichtsschreibereien. Ich könnte die Liste endlos fortsetzen. All diesen Tätigkeiten ist eines gemeinsam: Sie sind keine echte Arbeit. Sie tarnen sich zwar als solche, letztlich sind sie aber nur Business-Theater, das dafür sorgt, eine aus der Zeit gefallene tayloristische Unternehmensordnung zu manifestieren – indem der Chef zu spät zum Termin kommt, der Mitarbeiter seinen Wert durch die beeindruckende Präsentation verdeutlicht und die Finanzabteilung das Budget für die Geschäftsreise kürzt.

So kann Arbeit keine Freude machen. Warum ich davon überzeugt bin? Weil Freude an Arbeit nur durch Echtheit der Arbeit entsteht. Und Arbeit ist nur dann echt, wenn sie sich nicht auf die Statuskämpfe im Unternehmen konzentriert, sondern auf Aufgaben, die mit dem Kunden zu tun haben – mit externen Referenzen, die an das Unternehmen herangetragen werden. Deshalb wird in theaterarmen Unternehmen überdurchschnittlich viel über den Kundennutzen und mögliche Lösungen für dessen Problem kommuniziert – und zwar immer dann, wenn es gerade nötig ist, und unter denjenigen Personen, die etwas dazu beitragen können.

Den Mitarbeitern Probleme schenken

Wenn ich in die Unternehmen hineinschaue, lechzen die Mitarbeiter geradezu danach, wertschöpfende Arbeit zu verrichten. Menschen wollen nämlich erfolgreich sein und in einem erfolgreichen Unternehmen arbeiten – und dafür müssen sie sinnstiftend und wertschöpfend sein und etwas leisten dürfen. DAS löst den Wohlfühlfaktor aus – das Wissen, etwas erreicht zu haben. Ihnen geht es am Ende des Tages doch auch am besten, wenn Sie ehrlich von sich behaupten können: »Heute habe ich etwas geschafft.«

Deshalb sollten Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter in echter Zusammenarbeit Kundenprobleme lösen können. Wie das geht? Schenken Sie den Teams in Ihrem Unternehmen Probleme, die sie gemeinsam lösen müssen. Ermöglichen Sie, dass Ihre Leute sich wieder mit externen Referenzen beschäftigen können. Ob das auf unbequemen Holzstühlen oder in lichtdurchfluteten Sofa-Inseln passiert, ist nicht unbedeutend, und doch zweitrangig. Grundlegend für das Wohlbefinden aller Leute im Unternehmen ist indes die echte Arbeit. Und das Beste: Wenn Unternehmen so wirtschaften – also mit möglichst wenig Theater auskommen und dafür viel wertschöpfende Arbeit verrichten –, dann können sie sich in letzter Instanz auch mehr Ausflüge, kostenlosen Kaffee und allerlei mehr leisten.

Lars Vollmer ist Unternehmer und Mitbegründer von intrinsify.me, dem größten offenen Thinktank für die neue Arbeitswelt und moderne Unternehmensführung im deutschsprachigen Raum. Er lehrt an mehreren Universitäten und Instituten und ist gefragter Redner auf internationalen Kongressen und Unternehmensveranstaltungen. Er spielt Jazzpiano, trinkt gerne Weltklasse-Kaffee und lebt in Barcelona. Sein neuestes Buch »Zurück an die Arbeit – Wie aus Business-Theatern wieder echte Unternehmen werden« ist 2016 im Linde Verlag erschienen.

Kategorie: Allgemein

Schlagworte: Auf Augenhöhe