You don’t have to be Steve Jobs, just don’t be your grandfather

Die Deutsche Post hat am Mittwoch ihren fünften Glücksatlas vorgestellt. Die Studie erhebt alljährlich, wie glücklich wir Deutschen sind, und wo das Glück am größten ist. Erstmalig wurde auch die Frage nach der Arbeitszufriedenheit gestellt. Thematisch passend hat die Post Blogger und Digital-Nomaden bei einem Release-Event versammelt, um über aktuelle Trends und Zukunftsprognosen zu sprechen.

28.11.2015 • Maria Gerono

Zentrale Voraussetzung für Glücksgefühle ist für die Befragten eine Anerkennung der eigenen Leistungen. Besonders für die Jüngeren ist es wichtig, dass sie mitgestalten und eigene Ideen umsetzen können. Daran hapert es in der Realität noch gewaltig, auch das hat die Studie gezeigt. Schwierig ist es für die meisten Menschen nach wie vor eine ausgewogene Balance zwischen Arbeit und Familie zu meistern. Gerade Jüngere sehen diese Aufgabe als kaum zu bewältigende Herausforderung. Den Einfluss der Digitalisierung sehen die meisten Deutschen dagegen positiv, als einschränkend empfinden sie lediglich die ständige Erreichbarkeit.

Wie wird Technologie unsere Gesellschaft verändern?

Am Potsdamer Platz waren gestern ausschließlich Speaker geladen, die schon voll und ganz in der digitalen Welt angekommen sind. Den Einstand gab Ben Hammersley, britischer Internettechnologe und Zukunftsforscher. Seine Leitfrage: Wie wird Technologie unsere Gesellschaft verändern? Der Einsatz von künstlicher Intelligenz eröffnet ganz neue Dimensionen und wird langfristig dazu führen, dass immer mehr Jobs von Algorithmen ausgeführt werden. Gerade diese Woche hat die Weser Zeitung bekannt gegeben, dass sie als erste deutsche Zeitung ihre Texte und Spielberichte von regionalen Fußballspielen nur noch durch eine automatische Content Software texten lassen wird. Bedeutet das, dass sich der Mensch Stück für Stück überflüssig macht? Wahrscheinlich nicht. Schon die Industrielle Revolution im 19. Jahrhundert schürte ähnliche Ängste und die Langzeitfolgen sind uns bekannt. Umso wichtiger ist allerdings ein Umdenken und die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Entwicklungen, die unser Leben grundlegend verändern. Hammersley spricht von einer Kulturrevolution, die von vielen noch nicht wahrgenommen wird. Wir haben durch das Internet einen demokratischen Zugang zu immensem Wissen. Er selbst hat mit Hilfe einer Bauanleitung aus dem Netz und einem Online Versand für Elektroteile einen Satelliten gebaut, den er nur deswegen noch nicht ins All entlassen konnte, weil der Transport durch eine Rakete mit 30.000€ – noch – zu teuer ist.

Das Netz hat nicht nur den Zugang zu Wissen revolutioniert, sondern auch die Art und Weise wie Nachrichten, Kunst und Literatur konsumiert werden. Youtube Kanäle, die traditionellen Mediennutzern völlig unbekannt sind, haben mehr Besucher als alle klassischen Medien zusammen. Nachrichten finden auf Social Media Plattformen eigene Kanäle, die weitaus schneller bespielt werden können, als schwerfällige Redaktionsapparate es zulassen. In vielen Köpfen ist das allerdings noch nicht angekommen. Ben Hammersley empfiehlt, einen Schritt zurück zu treten und kritisch zu hinterfragen, was noch Bestand hat. Wir sind die erste Generation, die erfinden muss, wie sie in Zukunft arbeiten will, weil sich die Welt in rasantem Tempo verändert. Jeder einzelne muss zeigen, wie zukunftsfähig er aufgestellt ist. Das betrifft natürlich auch Unternehmen und ganze Branchen, die viel Zeit damit verbracht haben, Veränderungen abzuwehren, statt in die Auseinandersetzung zu gehen. Das beste Rüstzeug ist Kreativität. Dabei ist Ben Hammersley durchaus realistisch: „You don’t have to be Steve Jobs, just don’t be your grandfather.“

Die Zukunft zeigt sich in der Gegenwart als Krise

Leonie Müller, die zweite Rednerin, ist 23 Jahre alt und damit ein Digital Native, wie man so schön sagt. Sie hat ihre Wohnung gegen eine Bahncard 100 eingetauscht und pendelt, im Zug arbeitend quer durch Deutschland. Für sie bedeutet Digitalisierung vor allem Mobilität. Arbeit ist nicht mehr an Ort und Zeit gebunden. Leonie ist ein Paradebeispiel für ihre Generation. Wie die Mehrheit der zwischen 1980 bis 1995 Geborenen ist sie auf der Suche nach einem Job, der es ihr ermöglicht ihre Ideen auf eigene Art und Weise zu verwirklichen.

Aber wie kann Freiheit jenseits vom Prekärleben funktionieren? Genau diese Frage stellt Lena Schiller Clausen, Unternehmerin, Autorin und Dritte im Bunde. Viele Unternehmen sind zwar auf der Suche nach dem Digital-Rebellen, können aber in Wahrheit nur wenig mit ihm anfangen, wenn Sie ihn denn überhaupt erkennen. Die Arbeitsstrukturen in Unternehmen sind größtenteils auf Stromlinienförmigkeit geeicht. Lena Schiller Claussen beschreibt es so: „Man möchte nicht als Pinguin im Gleichschritt marschieren, wenn man sich eigentlich als Pfau fühlt.“ Um Kreativität freizusetzen braucht es eine neue Arbeitsorganisation, die sich das Internet als Vorbild nimmt: offen – vernetzt – antihierarchisch und dynamisch. Nicht jedes Unternehmen kann das in dieser Radikalität leben, aber Mitgestaltung und Transparenz lassen sich auch in kleinerem Maßstab umsetzen. Wir müssen aufpassen, nicht als Meatpuppets zu enden, die von Künstlicher Intelligenz ersetzt werden, prophezeit Ben Hammersley düster. Wahrscheinlich ist es aber eher so, dass wir uns mit veränderten Bedingungen auseinandersetzen müssen und eine Menge Jobs entstehen, von denen wir heute noch nichts ahnen. Und die Arbeitswelt, die glücklich macht, liegt dann irgendwo am Scheitelpunkt zwischen Freiheit und Sicherheit.

Kategorie: Aktuelles

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Flexibilität , Mit Perspektive