i4j im HPI - Maßgeschneiderte Jobs made in Silicon Valley

Am 12.Mai fand am Hasso Plattner Institut in Potsdam der deutsche “Innovation for Jobs Summit” - kurz “i4j” - statt. Ängste ernst nehmen, Chancen aufzeigen, Bildung stärken und Freiräume schaffen. Das waren die Schlagworte, auf die man sich im Vorfeld verständigt hatte. Dazu kamen verschiedene Redner aus Politik, Wirtschaft und Forschung zu Wort, die sich jeweils aus ihrer Sicht dem Thema neue Arbeitswelt näherten. Die innovative und strittige Diskussion, die zu erwarten gewesen wäre, blieb leider aus. 23.05.2016 • Anja Dehghan und Maria GeronoDer Veranstalter des Summits -  das Netzwerk i4j - ist in Silicon Valley gestartet und hat sich zum Ziel gesetzt, Jobs auf die Bedürfnisse von Menschen zuzuschneiden. Nicht mehr länger die Menschen sollen sich darum bemühen müssen, den Anforderungen der Jobs gerecht zu werden. Vielmehr muss die Arbeit mehr in Richtung Menschen, die sie ausführen,  gestaltet werden. Digitalisierung und Innovation sind dabei die treibenden Kräfte. Ein Buch zum Thema ist bereits erschienen, es trägt den anschaulichen Titel “Disrupting Unemployment”. Mitgründer David Nordfors war als Gastredner in Potsdam und sprach von “tailoring jobs”. Bislang war es nicht möglich alle Menschen in Arbeit zu bringen: es gab - wie er es nennt - die große ungenutzte Ressource Mensch, die bislang nicht wirksam eingesetzt werden konnte. Mit moderner Technologie und Innovation wird dies möglich. Auf jeden Menschen, der einen sinnerfüllten Job hat, kommen zwei, die ihren Job nur als Broterwerb sehen. Wieviel leistungsfähiger und produktiver könnte ein Wirtschaftssystem werden, wenn die Menschen ihren Job gern machen würden? Diese Frage stellt David Nordfors und schlägt vor, “ein Ökosystem zu schaffen, in dem die Innovation guter Jobs ein Service wird”.

Technologie als Jobkiller

Christoph Meinel vom Hasso Plattner Institut sprach zu Beginn über bekannte Ängste gegenüber Technisierung und Fortschritt. Menschen werden von Maschinen ersetzt, Technologie sei ein Jobkiller, so das immer wiederkehrende Argument. Und sicherlich gibt es eine Menge Berufe, die mittelfristig aussterben werden: Telefonverkäufer, Näher und Uhrmacher stehen ganz oben auf der Liste. Aber natürlich stehen dem gegenüber eine Reihe von Jobprofilen, von denen man vor zehn Jahren noch gar nichts wusste und die wiederum neue, in erster Linie digitale, Kompetenzen erfordern. Diese müssen verstärkt vermittelt werden, damit niemand auf der Strecke bleibt. Die Art zu arbeiten wird sich ändern, es wird neue Organisationsformen geben, Arbeitsstrukturen und Regelungen müssen sich anpassen. So weit, so bekannt.

Steven Hill, amerikanischer Autor und Holtzbrinck Fellow der American Academy kam dann auch gleich auf eine neue Form der Arbeit zu sprechen, nämlich die des Crowdworkers. Upwork - ein amerikanisches Unternehmen mit 250 Angestellten und 10 Millionen Freelancern - versteigert online Arbeitsleistungen. Ist das wirklich ein Fortschritt? Er stellt die Frage, ob man technischen Fortschritt verweigern kann, wenn er Jobs zerstört. Den deutschen Mittelstand hält er für wesentlich innovativer als Google und Facebook, denn er schafft Jobs, im Gegensatz zu den beiden Internetriesen.

Der Sharing Gedanke wird Teil des kapitalistischen Systems

Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales stellt zu klar, dass die Sharing Economy keinesfalls losgelöst zu betrachten ist vom Kapitalismus: “Der Sharing Gedanke wird Teil des kapitalistischen Systems werden. So funktioniert unsere Wirtschaft.” Die technikgetriebene Veränderung stellt alle vor große Herausforderungen. Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie wollen wir leben und arbeiten. Qualifikation multipliziert mit der Arbeitszeit als Berechnungsgrundlage für das Gehalt hat ausgedient, Flexibilität ist gefordert, sowohl was die Arbeitszeit als auch die Qualität der Arbeit angeht. Dabei geht es nicht darum, dass jeder allein sieht, wo er bleibt, die Politik muss diesen Prozess begleiten.

So oder so ähnlich hat man das alles schon mal gehört, wenn man an diesem Tag nicht zum ersten Mal eine Veranstaltung zum Thema Innovation der Arbeitswelt besucht hat. Was fehlte, war die Option miteinander ins Gespräch zu kommen und Dinge kritisch zu hinterfragen. Was in den einzelnen Keynotes zum Teil angestoßen wurde, vermisste man leider vollständig bei den Panels im Anschluss. Die Teilnehmer wurden zu wenig gelenkt, so dass zwischendurch der Eindruck entstand, dass niemand so richtig wusste, was genau eigentlich diskutiert wird.

Was am Ende bleibt

Fazit der Veranstaltung: das Thema ist spannend und wichtig, Innovation der Arbeit betrifft alle und das Interesse ist groß. Allerdings ist es essentiell, einer solchen Veranstaltung eine Richtung zu geben. Nicht nur im Vorfeld sondern ganz besonders währenddessen. Sei es durch Moderationen, Interaktion mit dem Publikum oder zwischen einzelnen Speakern, alles was irgendwie ermöglicht Dinge ad hoc zu hinterfragen oder zu kommentieren. Verzichtet man darauf, hat man mal mehr und mal weniger spannende Keynotes die sich leider nicht zu einem Ganzen fügen und das Herz der Veranstaltung, lebhafte Diskussionen auf der Bühne und im Publikum, fehlt.

Foto: HPI / Kay Herschelmann

Kategorie: Aktuelles

Schlagworte: Mit Flexibilität , Mit Perspektive