Selbstverwirklichung war schon immer eine treibende Kraft

Im letzten Jahr haben wir mit einem der beiden Gründer des Superhelden-Trainings, Jörn-Hendrik Ast gesprochen. Das Training, das dabei hilft herauszufinden man in seinem Leben erreichen will, findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt, im Juli in Berlin. Für uns Anlass genug, auch mal die weibliche Hälfte des Gründerteams zu befragen: Inken Arntzen ist Coach, Speakerin, organisiert außerdem die Social Media Week in Hamburg und ist Mitbegründerin des Netzwerks Digital Media Women.

04.04.2016 • Anja Dehghan

Was antwortest du auf die Frage nach deinem Beruf?

Ich würde sagen, dass ich Superhelden-Trainerin bin. Ich setze mich dafür ein, dass Menschen herausfinden, was sie wirklich wirklich in ihrem Leben tun wollen. Mit Jörn Hendrik Ast zusammen habe ich das Karriereorientierungs-Programm Superhelden-Training ins Leben gerufen. Dort bieten wir neben unserem Superheldentest auch Workshops und andere Dinge an. Gerade gründen wir auch ein richtiges Unternehmen, denn als frisch gebackene Mutter habe ich mich dazu entschieden, diesem Projekt die meiste Zeit zu widmen.

Neben dem Superhelden-Training organisierst du noch eine Reihe anderer Projekte und bist auch als Speakerin und Beraterin tätig. Vor zehn Monaten hast du einen kleinen Sohn bekommen. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu kriegen?

Das klappt deshalb so gut, weil ich eine gut funktionierende Familie im Rücken habe. Mein Mann und ich können uns unsere Zeit frei einteilen. Wir kümmern uns gemeinsam um den Kleinen und wechseln uns mit der Betreuung ab. Ich arbeite dann eine gewisse Zeit in der Woche auf dem einen Projekt und dann wieder auf dem anderen. Gerade habe ich für ein halbes Jahr wieder die Social Media Week hier in Hamburg mitorganisiert, aber seitdem ich Mama bin, arbeite ich schon etwas weniger.

Du klingt sehr zufrieden damit, wie du das alles so händelst.

Auf jeden Fall. Ich bin ja gelernte Grafikdesignerin und habe mich Ende 2007 selbständig gemacht und mich so eine ganze Weile als Freiberuflerin in dem Bereich rumgetummelt. Ich habe dann im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich total gern mit Menschen arbeite und nicht nur den ganzen Tag am Rechner sitzen will. Deshalb biete ich Grafikdesign als reine Dienstleistung gar nicht mehr an, es kommt nur noch zum Einsatz, wenn ich es für eines meiner Projekte brauche.

Gab es für dich mal die klassische „nine to five“ Situation, zum Beispiel irgendwo angestellt?

Nein, nie so richtig. Ich hab während des Studiums eins, zwei Praktika gemacht, die aber auch nicht Vollzeit und habe dann kurz mal in einem Grafikbüro gearbeitet. Dann habe ich mich aber direkt selbständig gemacht. Ich habe also keine lange Angestelltenkarriere hinter mir. Für viele ist es ja so, dass so ein Angestelltenverhältnis die einfachere Variante ist. Arbeitsvertrag, Entgelt, Sicherheit, fertig. Aber für mich war das nicht so. Für mich war die Selbständigkeit tatsächlich der Weg des geringeren Widerstandes. Ich habe mich mit so einem Gründungsprogramm hier in Hamburg selbständig gemacht, hatte also eine Betreuung und gleich ein Netzwerk. Dann habe ich drei Jahre lang ein Ladengeschäft für Wohnaccessoires und Kleinmöbel geführt, gemeinsam mit einer Kollegin. Hinten drin hatte ich mein Grafikbüro, das war also so ein Mischkonzept. Das hat super viel Spaß gemacht, war aber natürlich unheimlich zeitintensiv. Da habe ich wirklich sechs Tage die Woche von morgens bis abends durchgearbeitet. Das war ganz toll, aber nach drei Jahren hatten wir genug.

Dein Sohn ist zehn Monate alt. Da muss man sich seine Zeit etwas anders einteilen, oder?

Demnächst kommt der Kleine in die Kinderkrippe und dann freue ich mich tatsächlich auch schon ein bisschen darauf, wieder etwas geregelter zu arbeiten. Ich habe in den letzten Monaten immer mal wieder Dinge auch so zwischen Tür und Angel erledigt, obwohl ich im Großen und Ganzen sagen muss, dass es ganz gut funktioniert. Mein Mann und ich sprechen uns halt ab, wir teilen uns einen Google Kalender, und das klappt auch gut, aber trotzdem freue ich mich auch wieder auf etwas geregeltere Zeiten.

Hat denn die Tatsache, dass du ein Kind bekommen hast, etwas an deinen Vorstellungen, wie du dir deine Arbeit und dein Leben vorstellst, verändert?

Eigentlich nicht. Selbstverwirklichung war schon immer eine treibende Kraft für die Dinge, die ich tue oder getan habe, daran hat die Geburt meines Sohnes nicht viel geändert. Natürlich kommt jetzt dazu, dass ich nicht mehr nur für mich selbst die Verantwortung trage, aber damit stehe ja nicht allein da, sondern wir zu zweit als Eltern.

  

Du gehst relativ offen mit Deinem Privatleben um. Auf deinem Blog marryville.de erfährt man zum Beispiel, dass du drei Stiefkinder hast, die abwechselnd bei euch leben. Bereitet es Dir keine Probleme, dass diese Informationen für jeden verfügbar sind?

Für mich ist das Internet auch nur ein Abbild des Lebens. Und ich treffe ja die Menschen, die ich da treffe auch im echten Leben. Von daher wissen viele ohnehin von meiner Patchwork-Familie zum Beispiel. Ich habe festgestellt, dass wenn ich offen bin und mich so zeige, wie ich bin, dann bekomme ich eigentlich nur Positives zurück. Menschen merken, dass man authentisch ist und das wird in der Regel wertgeschätzt. Natürlich trifft man immer mal wieder jemanden, der bestimmte Dinge anders sieht, oder anders machen würde, da eckt man natürlich auch manchmal an. Aber grundsätzlich finde ich es einfach total schön, mit Menschen in Kontakt zu sein und oft hat man direkt ein Thema, wenn ich über bestimmte Dinge geschrieben habe, die auch den anderen interessieren. Ich mache mir grundsätzlich sehr viele Gedanken und so kann ich meinen Teil dazu beitragen, andere zu unterstützen, indem ich solche Gedanken teile. Das ist es ja letztendlich auch, was wir mit dem Superhelden-Training machen.

Du bist Mitgründern der Digital Media Women, warum muss es Deiner Meinung nach einen Verein geben, der Frauen im Bereich Web und Medien sichtbar macht?

Carolin Neumann, eine der Gründerinnen, hatte die Idee, als sie vor sechs Jahren auf der NEXT (Anm. d. Red.: Konferenz für Digitalwirtschaft) gewesen ist und gesehen hat, dass auf den Speaker-Bühnen nicht eine einzige Frau zu sehen war. Mittlerweile hat sich einiges getan, aber es ist leider immer noch viel zu häufig so, dass im Digitalbereich die Frauen auf den Bühnen vergessen werden. Es geht uns aber nicht nur darum, Frauen auf Podien zu bringen, sondern sie generell sichtbarer zu machen. Da geht es um Führung, die Präsentation im Netz, den gegenseitigen Austausch, und darum, die eigene Expertise zu zeigen. Wir sind deutschlandweit aktiv und haben mittlerweile über 5000 Mitglieder. Dabei sprechen wir nicht nur Dinge an, sondern setzen Veränderungen auch in die Tat um. In unseren Meetups und Themenabenden, die deutschlandweit stattfinden, können sich die Mitglieder unserer Community auch offline austauschen. Durch Medienkooperationen unterstützen wir Konferenzen und sind dann auch bei unterschiedlichen Events dabei. Wir bestärken Frauen darin, sichtbarer zu werden und sich selbstbewusster zu präsentieren. Ein wichtige Einsicht zum Beispiel ist: Wenn dich jemand fragt, ob du einen Talk halten willst, dann sagst du erst einmal zu. Und danach denkst du darüber nach, wie du das angehst. Ich mache das seit einiger Zeit genauso. Jetzt gerade habe ich einen Talk auf Englisch angenommen und ich muss sagen, ich bin herausgefordert. Aber das ist kein Grund es nicht zu machen, denn es wird funktionieren.

Du hast den Lunch Beat in Hamburg ins Leben gerufen, das Clubbing in der Mittagspause. Auch eine Bewegung, die Menschen dazu herausgefordert hat, aus sich herauszugehen. Was hat es damit auf sich?

Das Konzept kommt aus Schweden: Menschen gehen in ihrer Mittagspause in einen Club zum tanzen. Es gibt Essen, aber keinen Alkohol und anschließend geht’s wieder ins Büro. Das Ganze ist medial total eingeschlagen, wir haben das auf der re:publica in Berlin gemacht und auch hier in Hamburg.

Aber ist es wirklich so, dass die Leute dann tanzen?

Ja. Das hat gut funktioniert. Was man halt braucht, ist echte Clubatmosphäre. Und dann haben die Leute jede Menge Wasser getrunken und tatsächlich getanzt. Wir hatten zum Teil richtig volle Clubs. Das Problem bestand darin, dass irgendwann mehr Kameras als Clubbesucher da waren, weil die Medien sich stark auf das Thema gestürzt haben. Mit ein wenig mehr Zeit hätte das Ganze sicher weiter etabliert werden können, aber der Punkt war für mich erreicht, dass ich nicht noch ein Projekt stemmen konnte. Bei den Digital Media Women haben wir mittlerweile sechzig Frauen deutschlandweit, die das Ganze organisieren, das haben wir mit dem Lunch Beat leider nicht geschafft. Wenn man eine Idee, eine Mission für eine Bewegung oder etwas Ähnliches hat, dann braucht es mehr als die zwei drei Fleißigen, die es organisieren. Das letzte Wort zum Lunch Beat ist noch nicht gesprochen. Vielleicht überarbeiten wir auch das Konzept und legen noch mal los. Ein super Potenzial hat die Idee allemal.

Im Falle des Superhelden-Trainings hat das ja zum Beispiel sehr gut geklappt. Die Workshops gebt ihr ja nun schon das zweite Jahr. Hast du eigentlich selbst auch mal euren Test gemacht?

Ja. Ich bin so ein bisschen typisch Frau, ich habe verschiedene Rollen, die ich einnehmen kann. Ursprünglich bin ich die Makerin. Wenn ich den Test vor ein paar Jahren gemacht hätte, wäre das zu hundert Prozent mein Ergebnis gewesen. Ich habe mich allerdings dazu entschieden auch auf andere Superkräfte zu setzen. Und jetzt ist es so, dass ich als freie Beraterin eher die Kämpferin bin. Mit dem Superheldentest wollen wir erreichen, dass man sich für einen Charakter entscheidet, aber auch schaut, wie setzt sich das eigentlich zusammen. Und bei mir ist es so, dass ich eben Kämpferin bin, ich habe aber auch Anteile vom Unternehmer und Helfer. Und diese Unternehmer- und Helferenergien haben sich im Superhelden-Training bewährt. Zum einen mit der Unternehmensgründung und zum anderen damit, dass wir mit unseren Workshops Menschen helfen wollen rauszufinden, was sie in ihrem Leben wirklich wirklich tun wollen. Da findet sich also genau diese Kombination. Aber am allerwichtigsten für mich ist, dass ich frei arbeiten kann.

Danke Inken!

 

Ihr habt Lust am Workshop teilzunehmen? Dann schreibt uns einfach eine Mail an info@jobinnovator.de. Unter allen Einsendungen verlosen wir ein Ticket für das Superhelden-Training in Berlin vom 8.-10. Juli. Einsendeschluss ist der 14.04.2016. Mehr Infos gibt es hier: Superhelden-Training

 
Titelbild: Inken Arntzen
Foto Inken: Gerhard Kühne

 

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Mit Familie , Mit Flexibilität , Mit Perspektive

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