Mensch oder Maschine: Wer trifft bessere Entscheidungen?

Automatisches Matching oder persönliches Recruiting? Die HR Branche tut sich schwer mit der Digitalisierung, besonders wenn es um das Thema Personalauswahl geht. Eine Entscheidung, die immer wieder auch viel Bauchgefühl erfordert, kann schließlich kein Roboter treffen. Dabei sind Algorithmen erst einmal frei sind von allzu menschlichen Vorurteilen. Sie entscheiden anhand von festgelegten Kriterien, ob ein Kandidat mit einer Stelle zusammenpasst und können bei der Selektion potentieller Kandidaten eine große Hilfe sein.

Anja Dehghan • 08.07.2015

Menschen haben Vorurteile und treffen irrationale Entscheidungen

Der Mensch entscheidet unbewusst aufgrund von Faktoren, die rein gar nichts mit der Jobbeschreibung zu tun haben. So beschreibt es Millie Dent in der Fiscal Times. Eine ganze Reihe von Startups, wie Entelo, GapJumpers und Gild automatisieren das Recruiting mithilfe von Algorithmen. Diese sind frei von Vorbehalten gegenüber Merkmalen wie Geschlecht, Herkunft oder Ausbildung. Sie fokussieren ausschließlich die Übereinstimmung von Fähigkeit und Anforderung. Erklärtes Ziel dieser Unternehmen ist ein effizienterer Weg, potentielle Kandidaten zu finden. Durch eine ausgefeilte Matchingtechnologie werden geeignete von ungeeigneten Kandidaten unterschieden und Recruiter erhalten schnelleren Zugang zu einem größeren Kreis von Personen, die tatsächlich auf das Jobprofil passen. Dabei macht das ihre Arbeit längst nicht überflüssig, denn bestimmte Entscheidungen können nur Menschen treffen.

Der Algorithmus schafft Gleichberechtigung

„Algorithmen ersetzen nicht den Menschen, sondern verhindern menschliches Versagen“, meint Jonathan Foley, Vizepräsident der Entwicklung bei Gild. „Während Recruiter sich an zum Teil wahllosen Maßstäben wie Schulbildung oder letztem Arbeitgeber orientieren, berücksichtigt Gild alle frei verfügbaten Daten einer Person, inklusive Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung. Die Algorithmen sind nicht voreingenommen bezüglich bestimmter Ausbildungswege oder Arbeitgeber. Wer unseren Suchfilter durchläuft, findet passende Kandidatenvorschläge, die sich ausschließlich an Fähigkeiten orientieren, und nicht von menschlichen Vorurteilen beeinflusst sind.“

Auch das Geschlecht spielt bei dieser Art der Suche keine Rolle. Gild findet laut Mitgründer Sheeroy Desai weitaus vielfältigere Kandidaten als der klassische Recruiter. Es treten zum Beispiel mehr weibliche und ältere Ingenieure zutage, mit unterschiedlichster sozialer Herkunft. „Wenn man von jungen, weißen, männlichen Ingenieuren ausgeht, wen kennen sie?“ meint Desai. „Junge, weiße, männliche Ingenieure.“ In den USA sind 80% der technischen Angestellten männlich.

Scanner überprüft Stellenanzeigen auf Geschlechtsspezifik

Unternehmen erhalten vielerlei Unterstützung, so zum Beispiel auch bei der Formulierung von Stellenanzeigen. Der „Gender Decoder“ verspricht Anzeigen auf geschlechtsspezifische Begriffe hin zu scannen. Dem liegt eine Studie zugrunde, nach der sich Frauen von maskulin kodierten Anzeigen eher abgeschreckt fühlten. Dazu wurde ein Index mit weiblich und männlich konnotierten Attributen entwickelt. Wettbewerb, Herausforderung, unabhängig und selbstsicher sind demnach männlich kodierte Begriffe, wohingegen zwischenmenschlich, Loyalität, höflich oder empathisch weiblich kodiert sind. Andersherum reagieren wohl auch Männer eher zurückhaltend auf allzu weiblich anmutende Anzeigen.

Textio führt diesen Gedanken noch etwas weiter und analysiert in Echtzeit den Text einer Stellenanzeige auf seine Wirkung für den potentiellen Kandidaten. Das Unternehmen hat Stellenanzeigen von über 10.000 Firmen untersucht und analysiert, welche Anzeigen bei Bewerbern am schnellsten auf Interesse gestoßen sind. Mit einer Kombination aus maschinellen Lernverfahren, Sprachverarbeitung und statistischen Auswertungen entwickeln die Macher von Textio Muster für erfolgreiche Jobangebote.

Fazit: Computerprogramme können Menschen unterstützen, ihn aber (noch) nicht ersetzen. Dieser Ansicht ist auch Kieran Snyder, CEO von Textio: „Eine Reihe von Anforderungen kann ein Algorithmus nicht erfüllen, so zum Beispiel die Entscheidung darüber, welche Stellen besetzt werden müssen oder das persönliche Gespräch.“  

Kategorie: Tools + Technik

Schlagworte: Mit Perspektive

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