Mission M - Mission Zukunftsdialog completed?

Mission M ist die erste Messe für den Unternehmernachwuchs in Deutschland. In Stuttgart traf er sich vergangene Woche, um gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik, aber auch mit Studenten und Absolventen über die Herausforderungen ihrer Generation zu sprechen.

 

05.11.2018 • Maria Gerono

 

Erklärtes Ziel der Veranstaltung war das "generationsübergreifende Bearbeiten von aktuellen Themen”, fasst  Christoph Dahl, Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung zusammen. Herausfordernd ist vor allem das schnelle Tempo, in dem sich der Markt, die Ansprüche von Kunden und Mitarbeitern, aber auch die Produkte selbst verändern. Die jungen Unternehmer führen ihre Unternehmen häufig noch gemeinsam mit der Elterngeneration. Beide Seiten müssen also zusammen Lösungen finden und den Spagat zwischen Tradition und Innovation meistern. Eine Jungunternehmerin, die sich genau auf diesen Weg gemacht hat, ist Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands DIE JUNGEN UNTERNEHMER und designierte Nachfolgerin der Röser FAM GmbH. Sie berichtet, wie viel Offenheit von allen Seiten notwendig ist, um eine Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie zu bewältigen. Man muss das Rad als Junior nicht neu erfinden, weil viele Abläufe durchaus ihre Berechtigung haben. Trotzdem muss man auf die veränderten Ansprüche eingehen. Als Beispiel nennt sie die Flexibilisierung der Arbeitszeit, mit der sich ihr Vater noch sehr schwer tut. Aber auch die Politik muss ihrer Meinung noch nachjustieren, um ein flexibles, unabhängiges und vernetztes Arbeiten möglich zu machen, bei dem vor allem der Output im Vordergrund steht. Bislang sind die Arbeitszeitregelungen gesetzlich noch recht starr reglementiert. Davon hält Sara Röser nicht so viel.

 

 “Wir brauchen keinen Nanny Staat.”

 

meint sie. Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Gewerkschaftlich verhandelte Regelungen sind ja für viele Arbeitnehmer auch ein Schutz vor Willkür und Ausbeutung durch den Arbeitgeber. In der Diskussion blitzt kurz auf, wie unterschiedlich die Perspektiven auf dieses Thema sind.

 

Auch Andreas Ege, Mario Wolters und Alexander Bürkle haben sich vor noch nicht allzu langer Zeit mit der Alexander Bürkle GmbH auf den Weg vom Elektrogroßhandel zum Technologiedienstleister gemacht. Ihnen geht es nicht nur darum einen Wandel anzustoßen, in dem alle Prozesse durchgehend digitalisiert werden, sondern vor allem auch darum eine neue Perspektive gegenüber dem Kunden zu entwickeln. Um den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern, ist es wichtig den Kunden und seine Pain Points gut zu kennen und ihm auf Augenhöhe zu begegnen. Die menschlichen Beziehungen zu den Kunden sind es auch, die gerade erfahrene und langjährige Mitarbeiter so wertvoll machen. Mit dieser Haltung beruhigt Andreas Eger häufig ältere Mitarbeiter, die mit Angst auf die Veränderungen im eigenen Unternehmen schauen. Verändert haben sich auch die Verantwortlichkeiten im Unternehmen. Es wird mehr auf Mitbestimmung gesetzt. Wer dicht am Kunden ist, der soll auch Entscheidungen treffen können.

 

 “Wir sind heute erfolgreicher, weil sich mehr Mitarbeiter einbringen.”

 

berichtet Andraes Ege. Und das färbt auf die Unternehmenskultur ab. Das Potenzial für kraftvolle Veränderung und Gestaltungsmöglichkeiten für Mitarbeiter ist groß. Darin liegt die große Kraft des Mittelstandes. Das spürt man bei allen Speakern, die bei der Mission M auf dem Podium stehen.

 

Ein Erfolgsbeispiel für eine gelungene Transformation ist definitiv Vaude. Antje von Devitz skizziert in ihrer Keynote, wie ihr Unternehmen bewusst entschieden hat “Teil der Lösung und nicht Teil des Problems” zu sein. Das bedeutet konkret, hohe Standards bei Themen wie Ökologie, Verantwortung bezüglich der Lieferkette und den eigenen Arbeitnehmern. In zehn Jahren Transformation wurde ein Klima geschaffen, in dem Menschen auf Augenhöhe gerne Verantwortung übernehmen. Mit dem Nebeneffekt, dass bei Vaude überdurchschnittlich viele Frauen in Führungspositionen arbeiten und fünf Mal so viele Kinder geboren werden, wie im Rest der Bevölkerung. Das Erfolgsrezept?

 

 “Es ist nicht eine Abteilung, die hier etwas macht, sondern alle.”

 

Auch die Wachstumszahlen können sich sehen lassen und der Fachkräftemangel ist trotz diverser Standortnachteile kein Thema. Auch darin sind sich die Nachwuchsunternehmer einig: Wenn man von außen als verantwortungsbewusster und innovativer Arbeitgeber wahrgenommen wird, ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil bei der Bewerberansprache. Viele Nachwuchskräfte der Generation Y denken wie Sarna Röser:

 

 “Erfolgreich sein, heißt für mich glücklich sein, mit dem was ich tue.”

 

Der Anspruch an das Verantwortungsbewusstsein der Unternehmen steigt. Auch die Bewertungsmaßstäbe der Unternehmen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern haben sich stark verändert. “Noten sind zweitrangig, es geht um die Menschen”, sagt Sarna Röser. Auch soziales Engagement und ungewöhnliche Lebensläufe gelten verstärkt als Qualitätskriterien bei der Suche nach neugierigen und begeisterungsfähigen Mitarbeitern.

 

 “Recruitment wird Marketing. Viele Unternehmen müssen sich da noch deutlich weiterentwickeln”

 

So fasst es Sven Semet, HR Thought Leader bei IBM Watson Talent zusammen.

 

Was an diesem ersten Konferenztag der Mission M fehlt, ist die tatsächliche die Reibung zwischen Alt und Jung, Althergebrachtem und Zukunftsweisendem. Die Bühne gehört ausschließlich den Innovatoren und Nachwuchsunternehmen. Eine verpasste Chance, tatsächlich generationsübergreifend an aktuellen Themen zu arbeiten.

 

 

Mehr Infos zum Unternehmertag gibt es hier.

 

Kategorie: Aktuelles

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Familie , Mit Flexibilität , Mit Perspektive