Einmal Chef und zurück - Zwei Azubis wagen ein Experiment

Michelle Krell und Danielle Sörries, Auszbildende bei music4friends entertainment, haben außergewöhnlich fordernde Arbeitsplätze und zwei experimentierfreudige Chefs. Einen Monat lang sind die Mädels in die Rolle ihrer Vorgesetzten geschlüpft. Was sie dabei gelernt haben, berichten sie uns im Interview.

18.03.2016 • Maria Gerono

Wie habt Ihr euch auf die Zeit vorbereitet?

Ab November letzten Jahres haben wir angefangen uns mit der Thematik auseinander zu setzen. Wir haben verschiedene Meetings mit Sascha Poddey [Anm. d. Red.: einer der Geschäftsführer] gehabt, in denen wir einen Leitfaden für den Geschäftsführer-Monat erarbeitet haben. Mit diesem haben wir dann alleine verschiedene Ziele definiert und die dazugehörigen Maßnahmen. Auch Interviews mit unseren Kollegen haben wir geführt, damit wir deren Meinung in unsere Ziele miteinfließen lassen konnten.

Was hattet Ihr Euch im Vorfeld vorgenommen?

Wir haben unsere Arbeitsabläufe in fünf Jobs aufgeteilt. Das sind Marke+Mission (der Leitfaden, nach dem wir unsere Arbeit auslegen); Hey (alles was wir unter gutem Kundenkontakt verstehen); Teams (ein gutes Miteinander bei Büroband + Musikern); News+Aktionen (Repräsentation der Agentur und Bands, sowie von Neuigkeiten) und Flows+Controlling (Flows: gute Abläufe bei der Arbeit und Controlling: gute Übersicht). Für jeden dieser Jobs haben wir uns individuelle Ziele überlegt, aber immer mit Hinblick auf die Arbeitsweise unserer Firma. Zu jedem dieser Ziele gab es natürlich auch spezielle und angepasste Maßnahmen.

Welche Erfahrungen habt Ihr in Eurem Monat als Geschäftsführer gemacht?  

Als Erfahrung nehmen wir mit, dass wir sehen konnten, was ein Geschäftsführer alles leistet. Dass er neben regulären Aufgaben auch noch Entscheidungen treffen muss und wenn nötig auch mal durchgreifen muss. Die Schwierigkeit dabei war es, dies zeitlich unter einen Hut zu bekommen. Da muss man dann auch mal am Wochenende oder abends zuhause ran. Gerade das Entscheiden war auch für uns eine Schwierigkeit, da wir es nicht gewohnt sind, bei der Arbeit anderen Dinge vorzugeben. Der Rollentausch an sich war auch eine Schwierigkeit und brauchte eine gewisse Zeit zur Eingewöhnung. Den Gedanken loszulassen, das ist jetzt mein Chef oder meine Ausbilderin, brauchte seine Zeit. Auch unsere Kollegen hatten damit zu Beginn einige Probleme. Uns war nicht klar, wie wir handeln können, wenn jemand unsere Maßnahmen nicht einhielt (da es nur ein Experiment ist, können wir ja  schlecht Abmahnungen schreiben ;-) )

Was habt Ihr gelernt?

Wir haben gelernt selbstbewusster zu sein, Entscheidungen selber zu treffen und einen Blick dafür bekommen, welche Entscheidungen man selber treffen kann und welche nicht. Ebenfalls haben wir gelernt wie wichtig Absprachen und eine gute und regelmäßige Kommunikation sind. Unser Gedanke, dass wir ein tolles Büroteam haben bzw. sind, hat sich bestätigt, da wir viel an Unterstützung erfahren durften. Uns lagen alle gesetzten Ziele am Herzen. Einige davon konnten wir anstoßen, wie z.B. flexible Arbeitszeiten. Aber auch persönlichen Kundenkontakt konnten wir anstoßen, indem wir angefangen haben kleine Veranstaltungen im Büro zu planen und Kunden aktiv einzuladen.

Würdet Ihr das Experiment anderen Unternehmen empfehlen und wenn ja, warum?

Ja, aber jeder Chef und jeder Azubi sollte sich seine Gedanken im Vorfeld dazu machen und sich fragen, ob er dazu bereit ist, denn der Chef gibt mit diesem Experiment für einige Zeit die Verantwortung ab und sollte sich im besten Fall auch nicht einmischen. Nur mit vollem Einsatz kann so ein Experiment funktionieren. Es ist eine Chance, seinen Chef besser zu verstehen, aber auch selber zu wachsen.  Außerdem findet man dadurch heraus, wozu man fähig ist. Dabei können sich Dinge rausstellen, mit denen man nicht rechnen würde und man kann mehr, als man sich selber zutraut.

Was macht gute Führung aus?

Übersicht bewahren, Kommunikation, auch mal durchgreifen, Mitarbeiter motivieren, eigenständig arbeiten lassen, mitentscheiden lassen, Vertrauen geben und Freiräume lassen.

Vielen Dank Danielle & Michelle.

 

Wer neugierig geworden ist, wie die beiden Geschäftsführer AD ihre Zeit verbracht haben und ob die auch noch was dabei gelernt haben findet die Antworten hier: http://jobinnovator.de/music4friends/

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Auf Augenhöhe