Der New Work Award und Focus Top Arbeitgeber unter der Lupe

Donnerstag Abend wurden in Berlin gleich zwei Arbeitgeberpreise vergeben - zum vierten Mal verlieh Focus die Auszeichnung “Bester Arbeitgeber” und XING den New Work Award. Ein guter Anlass sich beide Auszeichnungen mal genauer anzusehen.

02.02.2016 • Maria Gerono

Im Museum für Kommunikation ging es schnell zur Sache. Nach kurzem Geplänkel wurden die Gewinner dm-Drogerie, gefolgt von Audi und Techniker Krankenkasse auf die Bühne gebeten, um ihren Preis als “Focus Top Arbeitgeber” entgegenzunehmen. Ausgezeichnet wurden die Top 1000 aus 22 Branchen, die in Gänze natürlich nicht auf die Bühne gepasst hätten, aber es wurde ordentlich voll, als sich zu den 3 Gesamtgewinnern auch noch die 22 bestplatzierten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gesellten. Die Auszeichnung resultierte aus einem dreiteiligen Ranking: einer mehr (oder weniger) repräsentativen Befragung von Statista, den kununu-Bewertungen des vergangenen Jahres und einer Befragung von XING-Mitgliedern. Über 70.000 Arbeitnehmer gaben Auskunft zu ihren Perspektiven, der Zufriedenheit mit dem Führungsverhalten, zum Gehalt und zum Image ihres Arbeitgebers. Die genaue Ermittlung des Rankings bleibt im Unklaren, eine besondere Rolle spielt, laut Focus, die Bereitschaft, das eigene Unternehmen weiterzuempfehlen.

Focus Arbeitgeberpreis - Kostspieliges Employer Branding Vergnügen

So weit so gut. Die Unternehmen haben ihre Preise bekommen und fahren stolz mit den gläsernen Pokalen nach Hause. Wenn es dann allerdings wie in den Vorjahren weitergeht, (nachzulesen bei Henner Knabenreich und Stefan Scheller) erwartet sie dort eine ungute Überraschung. Denn kostenfrei werben dürfen die Gewinner mit dem Siegel lediglich vier Wochen lang. Danach wird eine “kleine” Gebühr von mindestens 10.000 EUR (Basistarif!) fällig, um tatsächlich mit der Auszeichnung werben zu dürfen. Das Online Güte-Siegel für Kununu und XING gab es im letzten Jahr schon für schlappe 1.200 EUR. Da erweist es sich als praktisch, dass nur Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern berücksichtigt werden (mit Ausnahme der Internet-Branche), die entsprechende Marketing Budgets kalkuliert haben. Ein gelungener Vertriebs-Coup, denn wer will schon einen so leicht verdienten Marketing-Erfolg von der Bettkante schubsen.

New Work Award prämiert innovative Arbeitskonzepte

Zum zweiten Preis des Abends, dem New Work Award. Ausgezeichnet wurden Unternehmen, die ihre Arbeitskultur auf vorbildliche und wegweisende Art anders definieren: Arbeitszeitmodelle, die sich an Lebenssituationen anpassen, Mitarbeiter als Mitunternehmer, eine Vier-Tage-Woche für alle Mitarbeiter…

Über 140 Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum hatten sich beworben. Laut XING waren dabei Maschinenbau-Firmen ebenso wie Kommunikationsagenturen, Elektronikkonzerne und Dienstleistungs-Startups. Moderne Arbeitsstrukturen sind demnach nicht mehr nur Domäne der Medien und Startup Welt. Immer mehr Unternehmen aus traditionellen Branchen trauen sich, die Arbeitsbedingungen den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter anzupassen. Die Vorauswahl der Arbeitskonzepte wurde durch eine Jury getroffen, die eigentliche Wahl erfolgte per Online-Abstimmung auf der XING Website. Die Gewinner waren dann sehr heterogen, was ihre Unternehmensgröße betrifft. So gewannen mit Bosch, Heitkamp & Hülscher und Bike Citzens ein Konzern, ein klassischer Mittelständler und ein Startup. Die drei Sieger setzen alle auf unterschiedliche Konzepte. Bosch passt die Arbeitszeitmodelle an die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter an, vom Home-Office über Job-Sharing bis zum Familienarbeitsplatz ist alles möglich. Das Bauunternehmen Heitkamp & Hülscher aus Nordrhein Westfalen beteiligt seine Mitarbeiter nicht nur am Erfolg, sondern sogar am Unternehmen und schafft so erhöhte Anreize. Bei Bike Citizens aus Österreich wiederum, einer Navi App für das Fahrrad, arbeiten alle nur vier Tage die Woche - vom Praktikanten bis zum Chef.

Das Fazit am Ende

Was nach dem Gala-Abend bleibt, ist eine gewisse Ratlosigkeit, wie diese zwei Preise zueinander gefunden haben und ob es sinnvoll ist, beide in einen Kontext zu setzen. Ursprünglich wurde der New Work Award an innovative Startups und kleine Unternehmen verliehen, die vielleicht auch gerade aufgrund ihrer Größe mutigere Schritte gehen können als Konzerne. Gemeinsam mit dem Focus Arbeitgeberpreis verlagert sich das Gewicht  immer mehr zu Gunsten der großen Unternehmen. Gab es 2014 noch Preise für konsequente (kleinere) New Work Unternehmen, wurden im Folgejahr schon Kategorien aufgemacht - KMU, Großunternehmen und Start Ups - um das Bewerberfeld auch für finanzkräftigere Firmen zu öffnen. In diesem Jahr wurde nun komplett auf eine Kategorisierung verzichtet. Das hatte zur Folge, dass Konzerne wie Bosch oder Philips in direkter Konkurrenz zu kleinen Unternehmen wie dem Bauuternehmen Heitkamp & Hülscher antraten. Eine demokratische Abstimmung auf der XING Website ist dann wohl nur noch bedingt aussagekräftig. Fraglich bleibt, ob der New Work Award damit an Profil verliert und zunehmend uninteressanter als Impulsgeber wird.

 

Zeitgleich mit dem New Work Award gibt XING in diesem Jahr ein E-Book heraus, in dem sich unterschiedliche Autoren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis mit Fragen nach der Zukunft der Arbeit, Bedürfnissen der Berufstätigen oder Innovationsfähigkeit von Unternehmen beschäftigen. Das New Work Book liefert Denkanstöße und soll zum Dialog anregen. In ihm finden sich auch die Finalisten des New Work Award 2016 wieder.

Kategorie: Aktuelles

Schlagworte: Auf Augenhöhe , In Teilzeit , Mit Familie , Mit Flexibilität , Mit Perspektive