Developer gesucht: irgendwo zwischen Hipster, Nerd & Berater

Zwischenzeitlich schon totgeglaubt, erfreut sich die Stellenanzeige trotz aller Recruiting Revolutionen gleichbleibender Beliebtheit. Sie ist und bleibt der effizienteste Weg, freie Stellen zu besetzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Unternehmen haben die Möglichkeit das Wichtigste über sich und den ausgeschriebenen Job zu vermitteln und Bewerber wissen, dass sie hier alle wichtigen Infos - übersichtlich und ansprechend dargestellt - finden.

14.01.2016 Anja Dehghan & Maria Gerono

So viel zur Theorie. Leider ist es immer noch häufig so, dass potentiellen Bewerbern Textbausteine und schwammige Anforderungsprofile serviert werden. Wenn man so manche Anzeige liest, ist es schwer vorstellbar, dass dort echte Menschen gesucht werden. Die berühmte Antarktis Expedition von Sir Ernest Shackleton weckte den Forschergeist einer ganzen Generation von Entdeckern. Grund dafür war unter anderem eine Zeitungsannonce, die er aufgab um Personal für seine Expedition zu finden. Shackleton adressierte eine sehr spezielle Zielgruppe. Er war auf der Suche nach Menschen, denen Ruhm wichtiger war als Sicherheit. In Anbetracht des Ausgangs der Expedition war das tatsächlich eine zentrale Anforderung, die die Bewerber erfüllen mussten.

Einfach mal schreiben, wie es wirklich ist...

… wie sich ein Job ganz real anfühlt. Oder benennen, was ein Bewerber nicht mitbringen darf (natürlich im Rahmen des AGG). Das wäre eine Möglichkeit. Aber so weit muss man gar nicht gehen. Es reicht in einem ersten Schritt manchmal schon aus, sich von Textbausteinen zu verabschieden, die positionsübergreifend in jeder Stellenanzeige des Unternehmens vorkommen. Natürlich sind Fremdsprachen-, Software- oder Maschinenkenntnisse ganz klare Fakten, die abgefragt werden müssen. Wenn es allerdings um allgemeingültige Anforderungen wie Zuverlässigkeit, Teamgeist und Kommunikationsfähigkeit geht, sollten diese entweder vorausgesetzt oder durch konkrete Aufgabenbeschreibungen ergänzt werden. Ein Bewerber ist besser in der Lage einzuschätzen, ob er gern im Kundenkontakt oder im ständigen Austausch mit seinen Teamkollegen ist, als abstrakte Begrifflichkeiten zu interpretieren. Darüber hinaus bekommt er über konkrete Beschreibungen einen Eindruck, wie es im Unternehmen zugeht. So wie zum Beispiel Tuning Pedals aus Pirna, die direkt ansprechen, dass der Bewerber im ersten halbe Jahr hauptsächlich Ware verpacken muss und die spannende Aufgaben erst danach kommen.

 

Der Job ist die eine Sache, das Unternehmen eine andere

Und damit sind wir beim nächsten wichtigen Punkt. Der Job ist die eine Sache, das Unternehmen eine andere. Vor allem die Mitarbeiter vermitteln einen authentischen Eindruck von der Unternehmenskultur, dabei sollte dringend darauf geachtet werden, keinen Hochglanzeffekt entstehen zu lassen. Natürlich soll deutlich werden, warum ein Job Spaß macht oder herausfordernd ist. Wird das Unternehmen allerdings werbisch aufpoliert präsentiert, endet die Begeisterung spätestens beim Bewerbungsgespräch.

Die  Zielgruppe muss klar definiert sein. Dafür reicht es nicht aus, in den Anzeigen zwei verschiedene Fotos von Mitarbeitern rotieren zu lassen: ein Blaumann für die technischen Jobs und eine Blazer für Schreibtischtäter. Authentizität ist der Schlüssel zum erfolgreichen Recruiting. Wer arbeitet tatsächlich im Unternehmen? Wie sieht es dort aus? Mit Stockfotos tut man sich keinen Gefallen. Hipsterbüro oder Veloursteppich? Ältere Stammbelegschaft oder internationales junges Team. Es geht darum, durch möglichst viele relevante Informationen die Trefferquote zu erhöhen.

 

... Relevant ist dabei natürlich Definitionssache. Bei den Entwicklern kann da durchaus auch mal des richtie Equipment gefragt sein. Wie diese Stellenanzeige von adnymics zeigt. Einen passenden Job zu finden, ist nicht weniger schwierig als die Suche nach dem richtigen Partner. Man bindet  sich, zumindest für eine Weile, und diese Entscheidung will wohlüberlegt sein. Auch Dating Portale entwickeln sich ständig weiter um möglichst wenig Menschen zu verkuppeln, die am Ende kaum etwas miteinander anfangen können, nur weil das Foto und die Körpergröße gefielen. “Im Gegenteil” ist so eine Plattform. Das Online Magazin porträtiert Singles ganz persönlich, ohne die üblichen Kategorien abzufragen. Was kann man sich dort abschauen? Die authentische Präsentation ganz individueller Merkmale.

 

 

 

Benefits sollten erwähnt werden

Eine motivierende Unternehmenskultur ist es wert, in der Stellenanzeige erwähnt zu werden. Dem Bewerber sollte der Umweg über die Karriereseite erspart werden. Den geht er vielleicht gar nicht, wenn er über eine Jobplattform oder Suchmaschine auf die Anzeige gelangt. Gelingt es dem Unternehmen nicht, ihn hier zu begeistern oder zumindest sein Interesse zu wecken, nützt die schönste Karriereseite nichts. Hier können ausführliche Details und Berichte folgen, aber relevante Benefits, die bestimmte Arbeitsbereiche oder tatsächlich konkrete Stellen betreffen, müssen in der Stellenanzeige zu finden sein. Dabei muss es gar nicht die Superrutsche im Büro oder ein Massage Full Service sein. Die Option auf eine Vier-Tage-Woche oder persönliche Weiterentwicklung lassen auf Wertschätzung und Anerkennung hoffen.

 

Auch die Gestaltung spielt eine Rolle

Und zu guter Letzt das äußere Erscheinungsbild: Unternehmen investieren nicht unerhebliche Summen in die Erstellung von Anzeigenkampagnen oder Imagebroschüren. Im starken Kontrast dazu sind die Stellenanzeigen oft sehr nüchtern und wenig inspirierend. Dabei ist  jede Stellenanzeige auch Teil des Markenauftritts. Bewerber sollten auf den ersten Blick ein Gefühl für das Unternehmen entwickeln können. Die OKE Group hat das sehr ansprechend gemacht. Ihre Recruiting Kampagne zeigt, wie man postive Energie in Anzeigen verpacken kann.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten eine Stellenanzeige zum Leben zu erwecken. Ein eingebettetes Unternehmensvideo oder kurze Statements von zukünftigen Kollegen können ebenso Aufschluss geben wie Bilder vom Unternehmenssitz und seiner Umgebung. Natürlich soll das Ganze nicht überfrachtet werden. Aber man kann sich ja zunächst einmal von allem Überflüssigen trennen, um Platz zu schaffen für ansprechende Inhalte, die die Aufmerksamkeit der Kandidaten auf sich ziehen. Dabei müssen nicht alle Punkte sklavisch abgearbeitet werden. Wenn es im Unternehmen niemanden gibt , der gern in eine Kamera spricht und dabei noch unterhaltsam ist oder das Imagevideo bereits fünf Jahre alt, sollte man auf die Einbettung von Filmmaterial verzichten. Aber oft werden solche Potentiale einfach übersehen. Im Endeffekt geht es darum, einen realistischen Eindruck von Arbeitsumgebung und Jobinhalt zu vermitteln, um am Ende die Kandidaten zu finden, die zum Unternehmen passt.

 

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Die Überschrift des Beitrags stammt aus einer realen Stellenanzeige: Head2head Recruitment sucht damit einen Mobile App Entwickler. Bildangaben: Page Online, sednaepic, Oose, adnymics und meinestadt.de

Kategorie: Aktuelles

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Perspektive