Da draußen sind überall Superhelden und es gibt keinen Raum dafür

Jörn Hendrik Ast ist immer da, wo es um neues Arbeiten geht. Als viel beschäftigter Solopreneur gibt er Sales Workshops, bloggt, gründet gemeinsam mit seiner Frau eine Online Fitness Plattform und berät Startups um ihren Vertrieb zu optimieren. Aber sein Herzensprojekt ist das Superheldentraining.

22.06.2015 • Maria Gerono & Anja Dehghan

Er ist ein Visionär. Kernig, norddeutsch, mit tiefer Stimme und lachenden Augen. Er redet viel und bezieht impulsiv Stellung. Für die zukünftige Arbeitswelt hat er ganz klare Prognosen: Netzwerke werden Konzernstrukturen ablösen und alles Überflüssige wird eliminiert. Da gibt es dann keine aufgeblähten Strukturen mehr, die nur um ihrer selbst willen existieren. Allerdings ist er sich auch bewusst, dass das nicht von heute auf morgen passiert. „Wenn man solche neuen Arten der Arbeit und Organisation denken möchte, müssen die Grenzen im Kopf verschwinden.“ Der Mensch als Ganzes betrachtet, nicht nur als Angestellter, muss auch die Möglichkeit haben, sich in seinem Job weiterzuentwickeln und vielleicht etwas völlig anderes zu machen. Dazu muss man sich natürlich erst einmal selbst im Klaren darüber sein, was genau das sein könnte. Bevor Jörn Hendrik angefangen hat auf Superheldenjagd zu gehen, war er jahrelang als Personaldienstleister beschäftigt. Erst angestellt und später als Freier hat er Firmen beraten, die ihre Recruitingprozesse optimieren wollten. Dabei ist ihm immer stärker bewusst geworden, dass es einen unglaublich großen Bedarf im Bereich Karriereoptimierung gibt. In über 200 Einzelberatungen mit Bewerbern hat er immer wieder die gleichen Fragen gehört:

Was kann ich? Was möchte ich machen? Wer hat mir das erlaubt?

Und dann hat er sich irgendwann gesagt „Jetzt reicht’s! Das muss ich jetzt in irgendeiner Form umsetzen.“ Das entsprechende Format hat er dann mit seiner Mitgründerin Inken Arntzen zusammen entwickelt. Sie hatte gerade einen Youtube Channel gegründet, der Menschen dazu bewegt, das zu tun, was sie wirklich wollen. Der Titel: „Finde Deine innere Superkraft“. Für den ersten Videopodcast hatte sie sich einfach auf eine Wiese gestellt, die Kamera angemacht und losgelegt. Diesen Impuls fand Jörn Hendrik so gut, dass er die Idee gemeinsam mit ihr weiterentwickelt hat. Es entstand eine Typologie aus vier verschiedenen Superheldenfamilien. Er erklärt das folgendermaßen: „Die vier Familien kennzeichnen Karriere-Anker, die aus sich heraus wirken: Kämpfer, Unternehmer, Maker und Helfer. Und diese vier Typen unterscheiden sich darin, wie sie arbeiten wollen und in welcher Form: fest, frei, als Führungskraft oder in Teilzeit. Diese vier Arbeitsformen fallen auf fruchtbaren Boden bei verschiedenen Arbeitstypen.“

Zusammen mit einem Wirtschaftspsychologen haben die beiden knapp 300 Menschen befragt und den einzelnen Typen zugeordnet. Die Erkenntnis: „Wer sich entscheidet, das zu tun, was er schon immer machen wollte, kann seine Superkräfte zur Erfüllung bringen und damit glücklich sein.“ Dabei spielt weder das Alter noch das Geschlecht eine Rolle, eine sehr demokratische Form der Selbstfindung also. Welcher Superheldentyp in einem steckt, kann man in einem der Superhelden-Workshops herausfinden, der demnächst wieder in Berlin stattfindet.

Was kann ich und was will ich? Was hält mich ab und wie fange ich an? Wie kann ich mich selbstbewusst präsentieren?

Für den ein oder anderen fördert diese Reflexion überraschende Erkenntnisse zu Tage. Bei einem der letzten Workshops hat eine Teilnehmerin für sich herausgefunden, dass sie eine Teilzeit-Helferin ist. Darüber war sie sehr erleichtert. Sie hatte immer gedacht, sie muss die Ellbogen ausfahren und kämpfen, so wie es von ihr erwartet wurde. Aber eigentlich sehnte sie sich nach einem Umfeld, in dem sie gebraucht wird.

Es geht auch sehr stark darum, herauszufinden, welche Bedürfnisse sind Projektionen meines Umfelds und was will ich eigentlich ganz tief in mir drin? Auch Jörn Hendrik hat eine Weile gebraucht, bis er erkannt hat, was er wirklich machen möchte: „Es geht ja auch um die innere Traurigkeit, die mich irgendwann überkam. Da sind überall Superhelden da draußen. Die haben Superkräfte und die werden nicht rausgelassen und es gibt keinen Raum dafür.“ Auch er will ein wenig die Welt retten und zu einem etwas schöneren Ort machen - indem er anderen hilft über sich selbst hinauszuwachsen.

Vielen Dank Jörn Hendrik!

 

Der nächste Superheldenworkshop findet ab dem 25. Juli an drei Samstagen in Berlin statt.

Mehr dazu auf http://superheldentraining.de/workshop.

 

Kategorie: Interviews

Schlagworte: Mit Perspektive

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