Diese 5 Trends bestimmen die Arbeitswelt von morgen

4.11.2015 • Anja Dehghan & Maria Gerono

Mobiles Arbeiten

War die Möglichkeit mobil - also ortsungebunden - arbeiten zu können bislang ein nice-to-have, so wird es in Zukunft unumgänglich sein. Junge High Potentials fordern diese Flexibilität von ihrem Arbeitgeber ein. Da zeigt auch eine aktuelle Studie des Instituts für Jugendkulturforschung. Selbstbestimmtes Arbeiten und Eigenverantwortung sind gefragt. Klare Absprachen sind wichtig, wie und vor allem von wo aus die Arbeit erfolgt, sollte möglichst wenig festgelegt sein. Laut Wirtschaftswoche wünschen sich 70 Prozent der Menschen, die ihren Job kündigen, flexible Arbeitszeiten im neuen Job.

Auch für den wachsenden Anteil älterer Arbeitnehmer bietet die Möglichkeit mobil zu arbeiten erhebliche Erleichterung. Starre Arbeitszeiten stellen eine Belastung dar, ebenso wie lange Fahrtwege. Wenn die Arbeit zumindest zeitweise von zu Hause erledigt werden kann, können andere Hearusforderungen des Alltags besser vereinbart werden. Auch für das Unternehmen bietet diese Form des Arbeitens eindeutige Vorteile: zufriedene Mitarbeiter, die dem Unternehmen erhalten bleiben und Einsparungen bei den Kosten für Büroräume.

Teamwork

Durch die örtliche Ungebundenheit entstehen virtuelle Teams, die mithilfe von technischen Kommunikationslösungen wie Groupware oder in virtuellen Projekträumen zusammenarbeiten. Organisationen sind nicht mehr fixe Unternehmensstandorte, sondern Netzwerke, die aus verschiedenen Teams bestehen. Das ist in vielerlei Hinsicht effizienter. Die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters dauert durchschnittlich 43 Tage, in einem virtuellen Team dauert das Onboarding selten länger als drei Tage. So beschreibt es die Freelancer Jobbörse Upwork. Es entstehen nicht nur neue Unternehmen mit diesem Ansatz, sondern immer mehr bestehende Unternehmen strukturieren um und reorganisieren sich.

Teamarbeit ist bestimmt durch flache Hierarchien: Entscheidungen werden gemeinsam und transparent getroffen. Jeder im Team kann sich einbringen und wird so Teil der Lösung.

Work-Life-Balance neu gedacht

Die Digitalisierung hilft bei der Befreiung von starren Mustern, Arbeit muss nicht mehr örtlich und zeitlich fixiert sein. Allerdings verschwimmt dadurch auch zunehmend die Grenze von Arbeit und Freizeit. Zeitlich flexibel zu sein kann auch heißen, nie Feierabend zu haben und immer erreichbar zu sein. Immer mehr Informationen, Updates, Telefontermine, die von unterwegs bearbeitet werden können und sollen führen nicht unbedingt dazu, die Work-Life-Balance zu steigern.

Um diesem Gefühl entgegenzuwirken, versuchen Unternehmen die Arbeit einfacher zu gestalten und ihr gleichzeitig mehr Bedeutung für den Einzelnen zu geben „um so einerseits die sehr ambitionierten Mitarbeiter zu erreichen, die Dinge verändern und etwas erreichen wollen, andererseits aber auch die, die zwar hart arbeiten wollen, damit aber nicht ihr Leben ruinieren“, so Josh Bersin vom HR Consulting Unternehmen Bersin by Deloitte. Um das Verhältnis von Arbeits- und Lebenszeit im Gleichgewicht zu halten, sind Selbstkontrolle und Abgrenzung unumgänglich.

Hop on - Hop off

Arbeiten, wenn Arbeit gebraucht wird. Das klingt sinnvoll und wirtschaftlich und wird auch schon in vielen Branchen so organisiert. Niemand soll mehr seine Zeit absitzen, wenn es nichts zu tun gibt. So kann der Job auch vom Strand aus erledigt werden und im Anschluss daran wird die Leerphase dazu genutzt, die eigene Surftechnik (offline) zu verbessern. Nur - wenn nicht gearbeitet wird, wird auch nichts gezahlt. Das ist die Kehrseite der Medaille. Onlinemarketing, Websiteentwicklung oder Übersetzungen: Immer mehr Plattformen wie Jobbatical oder Upwork vernetzen Unternehmen und Freelancer weltweit um kurzfristige Tätigkeiten zu besetzen. In Deutschland ist diese Form der Jobvermittlung noch nicht so weit verbreitet, aber auch hier wird der Trend langsam spürbar.

In Großbritannien, Irland und Italien ist das Arbeiten auf Abruf auf dem Vormarsch. Das sind permanente Arbeitsverträge, On Call oder Zero Hours genannt, die den Unternehmer verpflichten, den Angestellten mit Arbeit zu versorgen – allerdings eben nur dann, wenn es tatsächlich etwas zu tun gibt. So wird der Mitarbeiter nur dann bezahlt und versichert, wenn Arbeit verrichtet wird. Dazu kommt das Lohndumping, dem solche Art von Jobs unterworfen sind, wenn sich die Freelancer globalem Wettbewerb unterwerfen. Auf der anderen Seite schwindet die Loyalität der Mitarbeiter den Unternehmen gegenüber. Wem der Job nicht gefällt, der guckt sich immer schneller nach etwas Neuem womöglich besserem um. Halten können Unternehmen ihre Mitarbeiter vor allem mit einer guten Unternehmenskultur: eine ausgewogene Work-Life-Balance und flexible Arbeitszeiten sorgen für Zufriedenheit.

Neue Erwartungen an Führung

Vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Komplexität, setzen sich verstärkt Systeme durch, die auf Selbstorganisation und Vertrauen beruhen. Führungskräfte in solchen Organisationen haben vor allem die Aufgabe, die Teammitglieder bei der Erreichung selbst gesteckter Ziele zu unterstützen. Sie müssen ihre Mitarbeiter gut kennen, um Potenzial sehen und fördern zu können. „Die Führungskräfte von morgen müssen vor allem gute Netzwerker sein, die mit anderen Menschen und Organisationen sowie zwischen ihnen tragfähige Beziehungen knüpfen können“ stellt die Studie „Alpha Intelligence” fest. Von zentraler Bedeutung sind dabei soziale und kommunikative Kompetenzen. Führung funktioniert nicht mehr linear hierarchisch, es wird immer mehr auf Augenhöhe kommuniziert. Diese Art des Managements darf allerdings nicht mit laisser-faire gleichgesetzt werden. Freiere Arbeitsformen verlangen nach zielführender Kommunikation und klarem Feedback. Dabei müssen die Führungskräfte auch selber offen für Kritik sein.

Last but not least brauchen Führungskräfte von heute Digitalkompetenz. Sie müssen ihr Team durch einen starken Veränderungsprozess begleiten und eigene Leitbilder entwickeln, damit dieser Wandel gelingen kann. Das bestätigt auch die aktuelle INQA-Studie „Führungskultur im Wandel“ Dazu gehört unter anderem ein gewisses Maß an Medienkompetenz, um soziale Medien adäquat einsetzen zu können. Eine aktuelle Führungs-Studie der Hochschule RheinMain zeigt, dass im Moment noch wenige Führungskräfte über die entsprechenden Kompetenzen für einen modernen Führungsstil verfügen. Thorsten Petry von der Wiesbaden Business School fasst es so zusammen: “Wer über Jahre gelernt hat, dass Wissen Macht bedeutet, dass Vertrauen gut, aber Kontrolle besser ist und dass wichtige Entscheidungen im stillen Kämmerlein getroffen werden, für den ist eine Umstellung auf eine offene sowie vertrauensvolle, vernetzte, partizipative und agile Führung sehr schwer. Dies benötigt Zeit und eine entsprechende Unterstützung beziehungsweise Begleitung.”   Bildnachweis: Gratisography (Ryan McGuire)

Kategorie: Allgemein

Schlagworte: Auf Augenhöhe , Mit Flexibilität , Mit Perspektive